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Basel

Kubanischer Zahnarzt darf seinen Beruf nicht ausüben

Miguel Curbelo Peraza wohnt seit drei Jahren in Basel und wäre eigentlich Zahnarzt. Weil sein kubanisches Diplom in der Schweiz aber nur unter schwierigen Umständen anerkannt wird, arbeitet er als Steward bei der Deutschen Bahn.

Wenn er könnte, würde er die Zug-Snacks sofort gegen die Zahnarzt-Instrumente tauschen: Miguel Curbelo Peraza hat in Kuba Zahnmedizin studiert und sich damit seinen Lebenstraum erfüllt. Schon als Kind habe er den Entschluss gefasst, Zahnarzt zu werden. «Ich habe damals meinem Onkel bei der Arbeit zugesehen und wusste, dass ich denselben Weg gehen möchte», sagt er und schloss schliesslich sein Studium mit Bravour ab.

Nachdem er mehrere Jahre in Kuba als Zahnarzt arbeitete, wanderte Curbelo nach Spanien aus. Dort musste er weitere drei Jahre die Universität besuchen, um die Bewilligung zu erhalten, in der EU zu praktizieren.

Absagen von Schweizer Universitäten

Seit drei Jahren wohnt der Kubaner nun Basel, wo er der Liebe wegen hinzog, doch seinen Beruf darf er hier nicht ausüben. Die Schweiz verlangt 36 Monate Berufserfahrung in Europa und diese kann Curbelo noch nicht vorweisen. «Das frustriert mich sehr – besonders, weil ich mich sehr darum bemühe, möglichst alles richtig zu machen», so Curbelo. Er möchte nun versuchen, eine Assistentenstelle zu bekommen – diese werden aber nur selten vergeben und von den Schweizer Universitäten habe er nur Absagen erhalten.

50‘000 Migranten und Migrantinnen in ähnlicher Situation

Laut dem Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS), ist Miguel Curbelo kein Einzelfall: «Laut einer Studie, die wir in Auftrag gegeben haben, sind bis zu 50‘000 Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten von Dequalifikation betroffen», sagt Mediensprecher Dieter Wüthrich. Das bedeutet, die Betroffenen sind entweder arbeitslos oder sie üben einen Beruf aus, für welchen sie eigentlich überqualifiziert sind. Für Wüthrich ist es unverständlich, dass die Schweiz das Potenzial dieser Migranten nicht ausschöpft: «Die Schweiz beklagt sich seit Jahren über Fachkräftemangel – da muss dringend eine Lösung gefunden werden.»

Die Fachstelle «MosaiQ» berät und begleitet gut ausgebildete Migrantinnen und Migranten.

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