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Der Telebasel Talk vom 15. August 2017

Basel

Gibt es die Wunderpille gegen Aids?

Eine blaue Pille sorgt für Schlagzeilen: Mit Truvada könne man sich ebenso so effektiv vor HIV/Aids schützen wie mit einem Kondom. Die Tageswoche berichtete über einen neuen Hype in der Schwulen-Szene: Chemie statt Kondom. Heisst das Schluss mit ‹Gummi› und Safer-Sex-Regeln? Im Talk redet die Infektiologie-Koryphäe Manuel Battegay, ab 18:40 Uhr.

Ganz neu ist die Geschichte nicht, aber jetzt wird sie zu einem gesellschaftlichen Faktor: Wie soll man eine Gesellschaft, die immer schon das Kondom nicht liebte, dazu anhalten, wenn es eine Alternative gibt? Diese heisst Truvada, wird in vielen Ländern im Rahmen einer ‹Prä-Expositionsprophylaxe›, kurz Prep, täglich präventiv geschluckt und schützt mehr oder weniger zuverlässig. «Etwa vergleichbar wie ein Kondom», bestätigt auf Anfrage Beraterin Carla Schuler von der Aids-Hilfe beider Basel.

Aber klar weniger Schutzwirkung hat die Pille, wenn die Schluck-Disziplin nachlässt. Prep ist teuer, kostet hierzulande gemäss der Tageswoch über 900 Franken im Monat. Aber in Deutschland etwa wird seit anfangs Monat bereits ein Generikum angeboten. In Österreich sei eine ‹Monatsration› bereits für 318 Euro erhältlich.

Prep: In der Schweiz nicht zugelassen

In der Schweiz ist die Pille zwar erlaubt, aber nur für ‹danach›, im Rahmen einer – Achtung: nicht verwechseln – PEP-Therapie. Mit einem PEP-Cocktail – eine Rosskur! – kann sich behandeln lassen, wer sich mutmasslich mit dem HI-Virus angesteckt hat. Prep hingegen ist weitgehend beschwerdefrei in der Anwendung, wirkt präventiv und muss prophylaktisch eingenommen werden. Für den Gebrauch ‹davor› ist aber Truvada in der Schweiz noch gar nicht zugelassen.

Laut der Tageswoche boomt die blaue Pille, vor allem in der Schwulen-Szene. Ein ‹Yanis› wird zitiert: «Zum ersten Mal kann ich meine Sexualität unbeschwert geniessen». Und: «Yanis wollte Prep, weil sich bei ihm im entscheidenden Moment zu oft der Kopf einschaltete. Er liebt Sex, spontan, mit unterschiedlichen Partnern, in der Sauna, an Partys.» Das Prep also als Lizenz für sorgenfreien Sex? Vielleicht, wären da nicht die anderen Souvenirs: Tripper, Syphilis und Chlamydien sind auf dem Vormarsch. 

Aids: Schreckgespenst löst sich auf

Denn das Schreckgespenst Aids hat massiv an Wirkung verloren, zumal die Öffentlichkeit längst weiss, dass die heute eingesetzten HI-Medikamente gut verträglich sind und beinahe ein Leben wie ohne Virus ermöglichen. Auch beim Sex: Wer als Person mit dem HI-Virus lebt und diszipliniert die Medikamente einnimmt, ist für andere Menschen nicht mehr ansteckend.

Heisst das: Schluss mit dem Zwang zum Safer-Sex? Sollte die Schweiz das Prep zulassen? Wie soll man eine Safe-Disziplin durchsetzen, wenn die Argumente dafür immer schwächer werden?

Im Talk nimmt der Infektions-Spezialist Manuel Battegay Stellung, am 15. August 2017 um 18:40 Uhr und ab 19:10 Uhr stündlich.

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