Kostenunterschiede enstehen auch, weil in der Süd- und Westschweiz mehr Personen im Spital - und nicht daheim - sterben als in der Deutschschweiz. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Schweiz

Frauen sterben billiger

Zu sterben ist in der französischen und italienischen Schweiz teurer als in der deutschen Schweiz. Und Männer sterben teurer als Frauen. Das zeigt eine Analyse von Krankenkassendaten im Rahmen des Forschungsprogramms ‹Lebensende›.

Wissenschaftler haben im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms ‹Lebensende› die regionale Verteilung der Gesundheitskosten im Jahr vor dem Tod untersucht.

Zwischen 2008 und 2010 sind 184’791 Personen in der Schweiz gestorben. Davon waren 113’277 (oder 61,3 Prozent) Erwachsene bei einer von sechs grossen Krankenkassen versichert, die ihre – anonymisierten – Daten Forschenden des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern zur Verfügung stellten.

Knapp das Zehnfache der üblichen Kosten

Die kürzlich veröffentlichte Analyse zeigt, dass die von den Krankenkassen verrechneten Kosten im letzten Lebensjahr stark ansteigen: auf über 30’000 Franken. Sie machen das Mehrfache der üblichen Gesundheitskosten aus, die je nach Alter auf 3’500 bis 6’700 Franken pro Jahr geschätzt werden.

Dabei bestimmen individuelle Faktoren, wie etwa die Todesursache, das Alter und das Geschlecht, massgeblich, wie hoch die Kosten ausfallen. So liegen die letzten 12 Monate von Krebspatientinnen und -patienten am höchsten bei den von den Krankenkassen verrechneten Kosten. Für Unfalltote oder die Opfer von Herzversagen hingegen müssen die Krankenkassen am Lebensende weniger bezahlen.

Frauen sterben kostengünstiger als Männer

Im Vergleich mit Männern sterben Frauen später und kostengünstiger. Ob die geringeren Kosten damit zu tun haben, dass die meisten Frauen verwitwet sterben und die Medizin vielleicht weniger um ihr Leben kämpft als einige Jahre zuvor noch um das Leben ihrer Männer, können die Daten nicht belegen. «Unsere Resultate weisen lediglich auf Unterschiede hin. Darüber, wie diese Unterschiede zustande kommen, kann nur spekuliert werden», sagt Radoslaw Panczak, der Erstautor der Studie.

In statistischen Modellen haben Panczak und seine Kolleginnen und Kollegen die individuellen Faktoren herauskorrigiert – aber immer noch beträchtliche Unterschiede in der lokalen Verteilung der Gesundheitskosten am Lebensende gefunden: Das Jahr vor dem Tod ist in der französischen und italienischen Schweiz im Schnitt um etwa 20 Prozent teurer als in der deutschen Schweiz.

Dank Spitex daheim sterben

Als möglichen Grund für diese Unterschiede weisen die Forschenden auf eine Erhebung unter Schweizer Ärztinnen und Ärzten hin, die zeigt, dass französischsprachige Fachleute Schmerzen eher aggressiv behandelten. Sie waren im Schnitt auch weniger gewillt als ihre deutschsprachigen Kollegen, auf Wunsch der Angehörigen auf therapeutische Massnahmen zu verzichten.

Einen weiteren Grund für die Kostenunterschiede sehen die Forschenden in der Tatsache, dass in der lateinischen Schweiz mehr Personen im Spital sterben als daheim oder in Alters- und Pflegeheimen als in der Deutschschweiz. Wo es mehr ambulant behandelnde Ärzte und Pflegeheime habe, sinke die Wahrscheinlichkeit, im Spital zu sterben, sagt Panczak.

Das sehe man zum Beispiel deutlich im Vergleich der Regionen von Yverdon und Neuenburg. Neuenburg hat schon früh starke Spitex-Strukturen aufgebaut. Das erklärt möglicherweise, wieso die durchschnittlichen Kosten am Lebensende dort nur halb so hoch wie die Kosten in der unmittelbar angrenzenden Region Yverdon sind.

(sda)

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