Der Franken hat gegenüber dem Euro erneut an Wert verloren (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)
Schweiz

Euro bleibt bei über 1,15 Franken

In den letzten Tagen hat der Schweizer Franken gegenüber den gängigsten Währungen markant an Wert eingebüsst. Viele Experten gehen davon aus, dass der Franken noch in absehbarer Zeit schwächeln wird. Schlecht für Schnäppchenjäger, aber gut für Firmen mit grösserem Exportanteil.

Am kräftigsten verlor der Franken gegenüber dem Euro. Bereits am Mittwoch kletterte die europäische Einheitswährung erst einmal vorübergehend auf über 1,15 Franken. Am Donnerstag nach Börsenschluss kostete ein Euro 1,151 Franken. Damit erreichte der Euro gegenüber der Schweizer Währung den höchsten Stand seit Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015.

Frankenschwäche voraussichtlich von Dauer

Laut Experten ist die Eurostärke oder umgekehrt die Frankenschwäche kein vorübergehendes Ereignis. Sie verweisen auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und der seither nahe gegen Null tendierenden Gefahr eines Auseinanderbrechens Europas. Mit Emmanuel Macron sei ein ausgesprochener Befürworter der gemeinsamen Währung in den Elysée Palast eingezogen.

Noch im Frühjahr hatten viele Investoren einen Sieg der europakritischen Kontrahentin Marine Le Pen befürchtet und im Franken Zuflucht gesucht. Weil die Bedeutung des Frankens als sicherer Hafen zusehends nachlässt, werden diese Vermögen wieder abgezogen. Von einem regelrechten Dammbruch ist im hiesigen Devisenhandel inzwischen zu hören.

SNB dürfte an ihrem Kurs festhalten

Noch in Geduld üben müssen sich die hiesigen Geschäftsbanken. Zumindest wenn es nach den Ökonomen von ‹Goldman Sachs› geht, dürfte die SNB der jüngsten Frankenschwäche zum Trotz an ihrem bisherigen geldpolitischen Kurs festhalten. Mit anderen Worten: Die amerikanische Investmentbank glaubt nicht, dass sich an den negativen Einlagezinsen in der Schweiz so schnell etwas ändern wird. Derzeit erhebt die SNB einen Negativzins von 0,75 Prozent.

Selbst die zuletzt wieder Fahrt aufnehmende Schweizer Wirtschaft stärkt den Franken offensichtlich nicht. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der als vorauseilender Indikator bekannte Einkaufsmanager-Index im Juli überraschend stark auf 60,9 Punkte gestiegen ist. Positiv überraschten am gleichen Tag auch die Detailhandelsumsätze für Juni sowie der Konsumentenstimmungs-Index für Juli.

Firmen freut’s, Einkaufstouristen weniger

Das der Franken schwächelt, freut natürlich diejenigen Firmen, deren Exportanteil gross ist. Anders sieht es bei den Einkaufstouristen aus, die nun bei ihren Shoppingtouren im grenznahen Ausland weniger bekommen, als sie in den letzten zwei Jahren gewohnt waren. Etwas teurer werden natürlich auch die Ferien im Euroland. Auf der anderen Seite profitiert der einheimische Tourismus, der seit Anfang 2015 unter dem starken Franken gelitten hat.

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