Die chilenisch/amerikanische Schriftstellerin Isabel Allende feiert ihren 75 Geburtstag. (Keytone/EPA/KOEN VAN WEEL)

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Starautorin Isabel Allende wird 75

Mit über 67 Millionen verkaufter Bücher gehört sie zu den erfolgreichsten lebenden Schriftstellerinnen. Ihr erster Roman, ‹Das Geisterhaus›, machte Isabel Allende weltberühmt. In ihrem Heimatland Chile ist sie umstritten. Auch mit 75 mischt sie sich weiter ein.

Als in den USA lebende Schriftstellerin hadert sie mit dem Hier und Jetzt. US-Präsident Donald Trump ist für Isabel Allende ein «wild gewordener Stier», ein Mann «skrupelloser Geschäfte». «Das ist das Schlimmste, was dem Land passieren konnte.» Die Politik, sie war immer ihr Begleiter, sie mischt sich ein – und schreibt weiter, über 67 Millionen verkaufte Bücher bisher.

Die gebürtige Chilenin ist eine der meistgelesenen Autorinnen in spanischer Sprache, am 2. August feiert sie ihren 75. Geburtstag. Vor zwei Jahren trennte sie sich nach 27 Jahren Ehe von ihrem zweiten Mann und publiziert trotz dieses Einschnitts wie eh und je.

Ihre jüngste Novelle ‹Más allá del invierno› (‹Jenseits des Winters›) handelt vom zufälligen Treffen einer illegalen Migrantin aus Guatemala, die sich in den USA durchschlägt, einem Universitätsprofessor, der gefoltert wurde, und einer mutigen und optimistischen chilenischen Journalistin.

Das ‹Geisterhaus› machte sie berühmt

Letztere weist Parallelen zu Allende auf. Gleich ihr erster Roman machte sie weltberühmt, er ist bis heute ihr bekanntestes Werk: die Familiensaga ‹La Casa de los Espíritus› (‹Das Geisterhaus›). Da war sie schon im Exil. In Chile hatte sie sich als Fernsehjournalistin einen Namen gemacht und gemeinsam mit anderen Frauenrechtlerinnen die feministische Zeitschrift ‹Paula› gegründet.

Es waren bewegte Zeiten, Chile versuchte damals ein linkes Experiment, angeführt von ihrem Onkel zweiten Grades, Salvador Allende. Als er 1973 von den Militärs unter Führung von Augusto Pinochet gestürzt wurde und im Präsidentenpalast Selbstmord beging, sah sie keine sichere Zukunft mehr für sich in der Heimat.

Es begann mit einem Brief

Aber was heisst schon Heimat? Als Tochter eines chilenischen Diplomaten wurde sie in Perus Hauptstadt Lima geboren, dort verliess der Vater die Familie. Anschliessend wuchs sie in Bolivien und im Libanon auf, bevor sie schliesslich in Chile lebte. Nach dem Putsch Pinochets bekam sie kaum noch Aufträge, 1975 ging sie mit ihrer Familie ins Exil nach Venezuela.

Allende arbeitete dort als freie Journalistin und unterrichtete Literatur. Dort begann sie nachts am Küchentisch in Caracas einen imaginären Brief an ihren verstorbenen Grossvater zu schreiben. Der wurde lang und länger, und schliesslich wurde daraus das Manuskript für das berühmte ‹Geisterhaus›.

Der mit Elementen des Magischen Realismus’ versehene Roman (Erstausgabe in spanischer Sprache: 1982) erzählt die Geschichte der Familie Trueba von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch in Chile. Hinter den Romanfiguren verbargen sich meist Angehörige von Allendes weit verzweigter Familie. Es folgten weitere erfolgreiche Werke, sehr persönlich wurde ‹Paula› (1992), in dem Allende den Tod ihrer Tochter thematisiert, die mit nur 28 Jahren an einer seltenen Stoffwechselkrankheit gestorben war.

Allein die deutsche Ausgabe wurde über 3,5 Millionen Mal verkauft. Und es wurde von Bille August mit Jeremy Irons, Meryl Streep, Glenn Close, Winona Ryder und Antonio Banderas 1993 erfolgreich verfilmt.

Intellektuelle Elite kritisiert sie

Kritiker werfen ihr vor, nicht literarisch genug zu sein und den von Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez geprägten Magischen Realismus, das Verschwimmen von Fiktion und Realität, zu kopieren. Die intellektuelle Elite in ihrer Heimat würde sie hassen, meinte sie wiederholt. Für Allende muss es daher eine Genugtuung gewesen sein, 2010 den chilenischen Nationalpreis für Literatur zu erhalten.

Starke Frauen, Liebe, das Leben über Generationen hinweg – das sind wiederkehrende Themen ihres Schaffens. Seit über zwei Jahrzehnten sind die Vereinigten Staaten ihre Heimat geworden, ein Thema berührte sie zuletzt besonders, weil sie das kennt: die Flüchtlingskrise in Europa.

«Die Menschen sind verzweifelt. Man verlässt seine Heimat nicht einfach so. Man steigt nicht in ein Boot mit den kleinen Kindern und riskiert sein Leben, wenn das Zuhausebleiben nicht viel, viel schlimmer wäre», sagte Isabel Allende 2015 an der Frankfurter Buchmesse. «Es ist schwierig, so etwas zu verstehen, wenn man nur Massen auf der Flucht sieht, wenn es so grosse Zahlen sind und man die einzelnen Personen und die einzelnen Tragödien dahinter nicht sieht.»

(sda dpa)

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