Sogar am berühmten Burgtheater in Wien soll man sich für eine Intendanz von Andreas Beck interessieren. (Keystone)

Basel

Wenn Basel den Theaterdirektor Andreas Beck verliert, ist die Politik mitschuldig

Der Basler Theaterdirektor Andreas Beck wird als möglicher neuer Intendant des Wiener Burgtheater gehandelt. Und hier will man sein Budget kürzen. Ein Fehler, der schwere Folgen haben könnte.

«Zwei Spielzeiten haben Andreas Beck genügt, Basel als aktuellen Szene-Hotspot des deutschsprachigen Theaters zu etablieren», so der Theaterkritiker Stephan Reuter am Donnerstag, 22. Juni 2017, in der BaZ.

Zur Erinnerung: Vor Beck wurde über das Theater Basel öfters geseufzt. Die NZZ nannte das Schauspiel damals abfällig einen «Bastelklub».

Vom Bastelklub zum Hotspot: Soviel kann ein Theaterdirektor bewirken.

Seit Wochen wird unser Theaterdirektor Beck nun in der internationalen Presse als heisser Kandidat für die Intendanz des Wiener Burgtheaters gehandelt. Die ‹Burg› gehört zu den ersten Theateradressen im deutschsprachigen Raum. Gespräche haben laut der BaZ bereits stattgefunden.

Es ist anzunehmen, dass er im Falle eines Angebots zuschlagen würde.

Andreas Beck geniesst in Wien als ehemaliger Dramaturg der ‹Burg› den besten Ruf, er hat die besten Beziehungen. Das Kleintheater Schauspielhaus Wien an der Porzellangasse – etwa so gross wie das Theater Fauteuil – hat er zum ‹must see› des deutschen Feuilletons geformt. Auslastung: über 80  Prozent – mit ausschliesslich neuen Stoffen!

Es ist also keine Selbstverständlichkeit, ein Supertalent wie Beck hier zu haben!

Aber so geht Basel mit ihm um. Im letzten Dezember hat unser damaliger Regierungspräsident Guy Morin der Kaserne Basel mehr Geld versprochen. 500‘000 Franken jährlich. Als – logischerweise! – die Frage aufkam, wo er dieses Geld einzusparen gedenke, nannte er als einzigen Ort das Theater Basel.

Guy Morin wäre an einem Abgang von Andreas Beck mitschuldig. Er hat seine gut begründbare Zusage für die Kaserne auf Kosten von Becks herausragendem Theater gemacht. Nachfolgerin Elisabeth Ackermann, der die Kaserne wie mehrfach betont am Herzen liegt, revidierte weder Morins Kasernen-Zusage, noch sprach sie seither vom Theater Basel. Das sei dann Sache bei den nächsten Subventionsgesprächen, so äusserte sie sich im Telebasel-Talk am 8. Mai 2017:

Auch Elisabeth Ackermann träfe Mitverantwortung beim Weggang von Andreas Beck. Denn Beck machte unmissverständlich klar, dass die Kürzung zu Lasten der Qualität gehe.

Politische Arbeit besteht auch aus Gesten, Signalen, öffentlichen Ansagen, Klarheit: Das will ich, das strebe ich an. Beck sandte in der BaZ ein zartes Signal: «Wir sind erst zwei Jahre in Basel. Warum soll ich aufs Spiel setzen, was wir geschafft haben?» Andreas Beck würde also gerne bleiben. Wenn man ihn unterstützt.

Wird er gehört? Spricht das Rathaus mit Beck? Noch Anfangs Mai 2017, als er seinen Spielplan vorstellte, war er nicht im Bilde, wie konkret die Sparansage Morins zu verstehen ist.

Es ist eine Wurstigkeit sondergleichen, wie Basel mit Beck umgeht. Motto: Bin ich dazu beauftragt eine Idee zu haben? Ist es an mir, einen Schritt machen? Es wirkt wie die Verstocktheit des Kleinstädters, der das Talent zwei Mal klingeln lässt, bevor man ihm die Tür aufmacht.

Sollte Andreas Beck wirklich gehen, so wird man in Basel sagen, dass man dies bedauere. Der Satz wird zu billig sein für den teuren Verlust. Denn jetzt müsste man Blumen schicken, Briefe schicken, das Gespräch suchen. Und auch regelmässig die Schauspielpremieren besuchen! Es stünde der Elite unserer Stadt aus Politik, Wirtschaft, Uni, Kunst, Behörden, Architektur gut an, sich dort immer wieder mal zu zeigen.

Der regelmässige Besuch der Schauspielpremieren wäre nicht nur ein sinnvolles Signal an Beck und sein Team, sondern auch eins an den Normalbürger: Da geht man hin, Geistesbildung und Auseinandersetzung mit dem aktuellen Theaterschaffen gehört dazu.

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