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Der Telebasel Talk vom 20. Juni 2017 mit Saskia Frei.

Basel

Saskia Frei im Clinch: Sterbehilfe auch für Lebensmüde?

Schwierige Lage für Exit-Präsidentin Saskia Frei: Eine Fraktion des Vereins fordert die Sterbehilfe auch ohne Arzt - und setzte sich damit an der letzten Generalversammlung teilweise durch.

Saskia Frei steckt im Clinch. Seit sieben Jahren leitet die Baslerin als Präsidentin Schweiz die Sterbehilfeorganisation Exit durch medial ruhige Gewässer. Aus dem Stand formuliert die Juristin im Vorgespräch Gesetzesartikel und Bundesgerichtsurteile, die die Sache des Vereins abstützen, absichern, decken. Instinktsicher mied die Freisinnige bislang jede politisch unsichere Stelle. Aber nun stellen Mitglieder Forderungen, die dem Verein ans Lebendige gehen könnten.

Exit – die seriösen Sterbehelfer

Frei und ihr Verein haben es weit gebracht. Die hohe Anzahl von über 100’000 Mitgliedern ist ein wichtiger Hinweis für die breite Akzeptanz der Sterbehilfe-Organisation Exit in der Schweizer Bevölkerung.

Mit dazu beigetragen hat, dass es in der 35-jährigen Vereinsgeschichte keine Skandale gab. Bei allen moralischen Kontroversen oder religiösen Widerständen: Die seriöse Abwicklung der Freitod-Prozedere und dazu der straffe Regelkatalog schufen ein gewisses Grundvertrauen in der Öffentlichkeit.

Fast jede und jeder kennt die Exit-Regeln, die für Sterbehilfe erforderlich sind: Die betroffene Person ist unrettbar krank und leidet unter «unerträglichen Beschwerden». Dafür sind ärztliche Gutachten beizubringen. Die Person ist klar urteilsfähig und steht nicht unter dem Einfluss Dritter. Sie hegt einen dauerhaften Sterbewunsch. Das verabreichte Gift Natrium-Pentobarbital ist rezeptpflichtig. Vor dem tödlichen Akt gibt es mehrere Beratungsgespräche.

Exit schreibt: «Das Angebot der Exit-Freitodbegleitung wirkt oft suizidpräventiv. Die Gewissheit, im Notfall jederzeit einen Ausweg zu haben, lässt mehr als die Hälfte der ursprünglich Interessierten ihr Leiden bis zum natürlichen Tod weiter ertragen».

«Warum muss ich mich rechtfertigen, wenn ich sterben will?»

All dies – das Prozedere, der Regelkatalog und nicht zuletzt die Ruhe um den Verein – scheint nun grundlegend gefährdet. An der letzten Generalversammlung am Samstag setzte eine Fraktion eine Untersuchung darüber durch, ob der Regelkatalog massiv erweitert und aufgeweicht werden könnte. Eine Arbeitskommission muss zuhanden der Generalversammlung Bericht erstatten.

Die Fragen der GV-Teilnehmer haben das Potential, Freis Arbeitsgrundlagen zu erschüttern. Kann man nicht den Arzt weglassen, fragten Mitglieder des ‹radikalen Flügels›? Wozu muss ich mich, wenn ich sterben will, in Beratungsgesprächen rechtfertigen? Warum bestimmen bei Exit 45-Jährige darüber, was 80-Jährigen erlaubt werden soll?

Offensichtlich geht es den Reformatoren darum, ihren Verein auf ihre liberalen oder liberalistischen Vorstellungen zu verpflichten, ja ihm hierbei eine gewisse grundsätzliche Verantwortung auferlegen zu wollen. Die Frage stellt sich, ob die breite Öffentlichkeit solche Vorstellungen goutiert. Ob die politische Gesetzgebung da mitmachen würde.

Was tut nun Saskia Frei? Von welchen juristischen und politischen Erwägungen lässt sie sich leiten? Was entgegnet sie auf die Argumente der Reformatoren?

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