Featured Video Play Icon
Der Telebasel News-Beitrag vom 18. Juni 2017

Baselland

Archäologen stossen in Ormalingen auf Römerbad

Auch im Oberbaselbiet planschten einst die Römer: Momentan läuft in Ormalingen eine Notgrabung. Bei den Bauarbeiten für drei neue Einfamilienhäuser stiessen Archäologen nämlich auf ein römisches Badehaus. Dieses gehörte zum bereits bekannten Gutshof gleich nebenan. Aber aufgepasst, liebe Antike-Fans: Lange ist die Fundstelle nicht zu sehen.

Eine alte Ormalinger Legende besagt, dass sich hier einst eine mittlerweile untergegangene Stadt befand. Es waren stets Spuren aus der provinzialrömischen Zeit, welche diese Fantasien beflügelten. Nun hat die Archäologie Baselland in der Flur Wolhusen zwar keine Stadt, doch immerhin ein Badehaus gefunden.

Ganz überraschend war das nicht: Auf dem gleichen Areal ist aufgrund mehrerer Ziegelfunde schon seit dem 18. Jahrhundert ein römischer Gutshof nachgewiesen. «Die Besitzer wollten auch in einer eher peripheren Lage wie Ormalingen nicht auf den Luxus verzichten», erklärt Andreas Fischer, stellvertretender Baselbieter Kantonsarchäologe. «So ein Bad gehörte natürlich für einen richtigen Römer dazu – Körperhygiene spielte schliesslich eine wichtige Rolle».

Antiker Badeplausch beim Gutshof

Bei den Ausgrabungen kamen ein paar Kleinode zum Vorschein. Zu den Fundstücken gehören aber ein Spielstein (wohl zur Unterhaltung beim Baden), ein Keramikbehälter für Körperöle sowie eine Amphore, in der vermutlich einst Olivenöl von der Iberischen Halbinsel lagerte. Über die Besitzer all dieser Dinge ist nicht viel bekannt. Vielleicht handelt es sich um gallorömische Gutsherren, die nicht nur die Bürgerschaft des Imperiums, sondern auch den Lebensstil aus dem Süden übernahmen. So etwa auch die Badekultur.

Der Gutshof mit dem Badehaus befindet sich rund 18 Kilometer von Augusta Raurica entfernt. Er ist somit einer von Dutzenden, die über die Region Basel verstreut sind: «Diese Villae Rusticae haben autonom funktioniert», erklärt der Kantonsarchäologe Reto Marti. «Darüber hinaus mussten sie aber auch das städtische Zentrum Augusta Raurica mit Erzeugnissen aus der Landwirtschaft versorgen».

Die Gutsherren gönnten sich also nach Feierabend eine Wellness-Stunde im Heissbad und schlussendlich eine Abkühlung im Kaltwasserbecken. Wer aber die Relikte dieses alten Badehäuschens beim Gaissacker noch sehen möchte, muss sich beeilen: In der ersten Juliwoche werden die Fundstücke im Depot der Archäologie landen, während die Fundstelle dem Aushub für das neue Einfamilienhaus weichen wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Was geschah bisher

Mehr aus dem Channel

Auch interessant