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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Juni 2017.

Basel

Die Strapazen einer Flucht erleben

Zum nationalen Flüchtlingstag bot die Schweizerische Flüchtlingshilfe ein Simulationsspiel an, bei dem die Teilnehmer hautnah erfahren konnten, was Hunderttausende Menschen zum Beispiel in Afrika erleben müssen.

Angeschrien werden, Antipersonenminen, Schüsse und von die Familie zerrissen: All dies sind wir uns in Mitteleuropa nicht gewohnt. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe wollte dies anlässlich des nationalen Flüchtlingstags ändern: In einem rund anderthalb stündigen Simulationsspiel erfuhren rund 20 Teilnehmer, was es heisst, mit Gewalt von zu Hause vertrieben zu werden.

«Schlepper, Flucht, Angst an der Grenze, all dies habe ich selber erlebt», sagt Johannes Yemane, der vor acht Jahren nach längerer Flucht aus Eritrea die Schweiz erreichte.

Möglichst lebensnah

Das Simulationsszenario wurde auch aufgrund der Erfahrungen von Flüchtlingen entworfen. Die Darsteller unterstrichen ihre Rollen als Miliz, Schlepper, Zöllner oder UNHCR-Mitarbeiter durch augenfällige Kostüme. Zu Beginn, als die friedlichen Dorfbewohner an einer Feier von Militärs überfallen werden, ist zudem mit Knallkörpern verstärkt.

«Es ist sehr beängstigend gewesen. Mein Mann war schon bald verletzt und ich sorgte mich um ihn sowie unsere beiden Töchter», sagt Simulationsteilnehmerin Theres Schneider zu Schluss sichtlich mitgenommen.

Am Ziel und doch nicht

Dank Schleppern und Zöllner, die sich durch Einsatz der letzten Habseligkeiten der Flüchtlinge zur Grenzüpassage bewegen liessen, erreichte die Gruppe zum Schluss des Szenarios ein UNHCR-Flüchtlingslager. Zwar waren sie dort in physischer Sicherheit, doch litt das Lager unter einem Mangel an Vorräten. Der sehnlichst erwartete Konvoi mit Hilfsgütern, so war zu erfahren, sei zudem von Kämpfern abgefangen und geplündert worden. Vor einem Monat sei nicht mit Nachschub zu rechnen, legten die konsternierten UNHCR-Leute den frisch Angekommenen mit.

So blieben für sie drei Optionen: Im Lager ausharren, zurück in die Heimat oder weiter durchs gefährliche Land ins Ungewisse ziehen. Keine wirklich vielversprechende Auswahl – die Teilnehmer waren wohl froh, dass sie lediglich an einem Simulationsspiel teilgenommen hatten.

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