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Der Telebasel Talk vom 8. Juni 2017
Basel

Im Talk: Meisterfälscher Beltracchi

Der deutsche Wolfgang Beltracchi ist aktuell der wohl berühmteste Kunstfälscher der Welt. Auch dieses Jahr wieder setzte er auf die ART-Kundschaft und zeigte in Riehen neue Werke: echte Beltracchis. Im Talk vom 8. Juni sprachen er und seine Ehefrau Helene über Kunst, Fake und Geld. Heute nochmals, ab 18.40 Uhr.

Nur wenige Tage vor dem grossen Ansturm auf die weltweit grösste Kunstmesse ART lud die Riehener Galerie Lilian Andree zur Medienkonferenz und eröffnete eine Ausstellung mit einem Künstler, der die europäische Kunstwelt erschüttert hat: Wolfgang Beltracchi, der Meisterfälscher. Anfangs Juni stellte er seine neuen Werke vor: eine Bilderserie zum Thema «Ballet Russes». Die Ausstellung dauerte bis Juli – und zielte auf die Reichen und Superreichen ab, die nach Basel zur ART 2017 und den Parallelmessen jetteten.

Am Epizentrum des Seriösen

Schon vor einem Jahr schaffte es Beltracchi schweizweit in die Schlagzeilen: Keck zeigte er im Hotel Ramada Plaza neben dem Messegebäude, wo die Art Basel stattfindet, also dicht am Epizentrum des globalen Seriösen, Teuren, Gültigkeit Beanspruchenden, neue Werke aus. Titel der Ausstellung: «Free Method Painting». Die Bilder sind jetzt unterzeichnet mit Beltracchi. Von ihm liessen sich Prominente wie Harald Schmidt porträtieren. Beltracchi besuchte mit seiner Ehefrau Helene noch während seiner Haftstrafe Talk-Shows, sie gaben bereitwillig Auskunft über ihr Leben und das Handwerk, das sie berühmt gemacht hatte. Das deutschsprachige Kultur-Europa hatten sie erschrocken – und es lachte.

Wie ernst kann einer den Kunstbetrieb noch nehmen, der nicht nur Käufer, sondern auch Galeristen und Experten, ja sogar nahe Verwandte der nachgeahmten Künstler täuschen konnte? Was ist einem Kunst noch wert, wenn sich seinem quasi seherischem Blick nebst dem Genie auch die Macken und Unfertigkeiten der Künstler offen legen?

Im Talk am Donnerstag, 8. Juni 2017, sprachen Wolfgang und Helene Beltracchi über Geld, Kunst und Fake.

Der Pressetext der Galerie Lilian Andree: «Lange hat er seine Bilder mit fremden Namen geschmückt. Bis 2015 sass Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi deswegen im Gefängnis. Jetzt ist er zurück in der Freiheit – und er malt wieder. Die neuen Meisterwerke tragen nun seien eigenen Namen. Die Referenzen an bekannte Maler sind trotzdem deutlich sichtbar. Die Galerie Lilian Andrée in Riehen zeigt während der Art Basel die neuen, eigenen Meisterwerke des ehemaligen Meisterfälschers.

Ein echter Beltracchi: LA FOLIE D’UN FAUNE II 15/30
Mischtechnik auf Papier, 76 x 57 cm

Wolfgang Beltracchi gilt als König der Fälscher: 35 Jahre lang hat er sein aussergewöhnliches Talent dazu eingesetzt, bekannte Meister zu fälschen. Über 300 Bilder hat er in den Kunstmarkt eingeschleust. Alle fielen auf ihn herein: die Experten und Gutachter, die Galeristen und die Kunden. Sein Trick: Er kopierte keine existierenden Bilder alter Meister, sondern kreierte neue Bilder im Stil bekannter Maler. Er imitierte sie alle perfekt: Impressionisten, Expressionisten, ja sogar alte Meister. Bis er aufflog.

LA FOLIE D’UN FAUNE
Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm

Jetzt malt Wolfgang Beltracchi wieder. Und wieder bedient er sich der Stilmittel bekannter Maler. Doch heute signiert er seine Bilder selbst. Mittlerweile ist er selbst ein anerkannter Meister. Die Galerie Lilian Andrée in Riehen zeigt während der Art die neusten Werke von Wolfgang Beltracchi. Es ist eine expressionistische Bilderserie zum Thema «Ballet Russes», einem von Sergei Djagilew zusammen gestellten Balletensemble, das eine ganze Epoche prägte und das russische Ballet international bekannt machte. Berühmte Tänzer wie Anna Pawlowa und Vaslav Nijinski sind wohl die berühmtesten Protagonisten, deren starke Ausdruckskraft bis heute ausstrahlen.»

‹Scheherazade›, 140 x 100,5 cm, Öl auf Leinwand

Zu sehen sind die Bilder vom 11. Juni bis 9. Juli 2017.

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