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Der Telebasel News-Beitrag vom 19. Mai 2017

Baselland

Reinach prüft Modell der Nachtwache im Asylzentrum

Seit Wochen ist das Asylzentrum Reinach in den Schlagzeilen. Es soll nachts zu sexuellen Übergriffen von Mitarbeitenden auf Asylsuchende gekommen sein. Dies sagt auch der ehemalige Nachtwächter Andres Pellegrini. Brisant: Für die Nachtwache setzt die Gemeinde Personen eines Integrationsprogrammen ein. Sind das die richtigen Leute für diese Jobs? Gemeindepräsident Urs Hintermann nimmt Stellung.

Wie sieht das Stellenprofil der Nachtwache im Asylzentrum aus?

Urs Hintermann: «Vorbemerkung: Im Asylzentrum haben die AsylbewerberInnen ihre eigenen Wohnungen, sie kochen dort und leben selbstständig in den «eigenen» vier Wänden. Wie in jedem Haus mit mehreren Einheiten gibt es auch hier eine Hausordnung. Die Nachtwachen sind für die Einhaltung der Hausordnung zuständig. Sie haben jedoch keinerlei Betreuungsfunktionen. Die Nachtwachen stellen z.B. die Nachtruhe sicher. Auch für Notfälle ist sie ansprechbar. Wenn jemand bspw. Kopfschmerzen oder Durchfall hat oder ein Pflaster benötigt, händigen sie ein entsprechendes, einfaches Medikament aus. Diese Praxis ist mit dem ärztlicher Berater und Hausarzt des Asylzentrums abgesprochen. Die Nachtwachen sind zudem für die Kontrolle von Besuchern zuständig und sind Kontaktpersonen zur Polizei, Feuerwehr und Sanität im Bedarfsfall.»

Weshalb wurden dafür ausschliesslich Leute aus dem Arbeitswiedereingliederungsprogramm eingestellt?

«Grundsätzlich wäre die Gemeinde nicht verpflichtet, Nachtwachen einzustellen. Reinach tut dies freiwillig und zwar in erster Linie, um Langzeitarbeitslosen im Rahmen eines Integrationsprogramms eine feste Tagesstruktur zu geben und ihnen zu helfen, wieder in die Arbeitswelt einzusteigen. Das Integrationsprogramm wurde vor über 18 Jahren ins Leben gerufen und hat zahlreichen Arbeitslosen geholfen. Bisher lief es in all den Jahren hervorragend – mit Ausnahme der Zeit, über die Sie aktuell berichten. Auch heute funktioniert das Programm wieder einwandfrei, seit es vor 2 Wochen gelungen ist, Ruhe ins Asylzentrum zu bringen.»

Wird die Gemeinde dieses Modell überdenken?

«Wie erwähnt hat sich das Modell in all den Jahren bewährt und wir würden es gerne weiterführen. Es ist heute extrem schwierig, Langzeitarbeitslosen geeignete Stellen im Rahmen von Integrationsprogrammen zu finden. Selbstverständlich werden wir aber aufgrund der Probleme, die wir insbesondere mit P. hatten, prüfen, ob dieses Integrationsprojekt weitergeführt werden kann oder ob es Anpassungen braucht (andere / mehr Betreuung, Anpassung Aufgaben, organisatorische Verbesserungen etc.).»

Was sagen Sie zu den Vorwürfen, des ehemaligen Mitarbeiters Andres Pellegrini gegenüber der Basler Zeitung, er sei nicht ernst genommen und zu Unrecht entlassen worden? 

«P. wurde ernst genommen, indem seine Meldungen umgehend überprüft wurden. Wo notwendig, haben wir sofort geeignete Massnahmen eingeleitet (z.B. klarere Verhaltensregeln für Nachtwachen aufgestellt und durchgesetzt, Nachtwachen zusätzlich geschult). Zudem hat die Gemeinde Reinach die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft schon vor länger Zeit über die Vorwürfe von F.E. und P. informiert, damit sie diese prüfen und beurteilen kann. Da es sich um ein laufendes Verfahren bei der Staatsanwaltschaft handelt, geben wir keine weiteren Auskünfte.»

Anmerkung der Redaktion: Andres Pellegrini sagte, er habe Übergriffe auf Asylsuchende mitbekommen. Er sei damit zur Leitung gegangen und niemand habe reagiert. Weil er sich gewehrt habe, habe er schon nach eineinhalb Wochen den Job verloren.

1 Kommentar

  1. Zur Erinnerung hier nochmals, was über die Nachtwache D. rapportiert worden ist (BaZ, 13.5.2017; https://verlag.baz.ch/artikel/…#): «Anfassen an den Körperteilen, ekelerregender Handschlag, Telefonieren/SMS/Einladung an mehrere Männer, Geschenke (Geld, Armband, Schokolade, Zigaretten) an Minderjährige, direkte und offene Äusserungen über Sex und Zuneigung zu Männern/Männerliebe». Trotz dieser Fakten sieht Hintermann nicht im Verhalten der Nachtwache D., sondern in meinem Verhalten das Problem. Warum schützt er diesen Sexualstraftäter?Report

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