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Der Telebasel Report vom 26. April 2017.

Basel

Leben im falschen Körper

Weibliche Seele, männlicher Körper – das ist die unglaubliche Geschichte von Florence aus Basel. Mit sieben Jahren merkt Florence, dass irgendetwas an ihr nicht stimmt. 17 Jahre und zwölf Operationen später stürmt sie an den ‹Miss Nordwestschweiz›-Wahlen ins Finale. Als Frau.

Rund 230 Transitionen hat das Unispital Basel in den letzten 20 Jahren durchgeführt. «Den Körper an die Seele angeglichen», nennt es Professor Dr. Schaefer, Chefarzt für Plastische Chirurgie am Unispital Basel. Noch nie sei die Nachfrage aber derart hoch gewesen, wie im Moment. 50 Betroffene seien zurzeit in Behandlung, je Woche kommt jemand Neues dazu.

Florence lebt als Transfrau

Professor Schaefer war es denn auch, der Florence aus Basel dabei geholfen hat, ihre männliche Hülle loszuwerden. Er hat ihre Hoden entfernt, ihren Schwellkörper wegoperiert und aus einem Teil der Eichel eine neue Klitoris geformt. Heute ist Florence 24 Jahre alt, wohnt im Gundeli-Quartier und ist äusserlich kaum mehr von einer biologischen Frau zu unterscheiden: «Heute sehe ich mich selbst, wenn ich in den Spiegel schaue. Das war nicht immer so…», sagt Florence. Menschen wie Florence bezeichnet man als Transgender, genauer gesagt als Transfrauen oder im umgekehrten Fall eben Transmänner. David Garcia, Leiter des Schwerpunkts Geschlechtervarianz am Unispital Basel schätzt, dass zurzeit rund 1’000 Transgender in der Schweiz leben: «Genaue Studien gibt es keine, aber man geht grundsätzlich von einem Transgender auf 20‘000 Menschen aus. Ich denke jedoch, dass es viel mehr sind».

Florence in ihrem ‹neuen› Körper. (Bild: zVg)

Outing mit 16

Schon als Kind hat Florence gemerkt, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt. Sie wollte mit den Mädchen spielen, nicht mit den Jungs. Sie fand Jungs aber spannender, nicht die Mädchen: «Ich konnte mich mit meinem Geschlecht nicht identifizieren», sagt sie heute. In der Pubertät spielt der Körper dann völlig verrückt, Florence leidet unter Depressionen und wird psychiatrisch abgeklärt. Mit 16 dann wird ihr alles zu viel, sie zieht von zu Hause aus und outet sich als schwul. Es beginnt die schwierigste Zeit im Leben von Florence. Denn auch in der männlichen, schwulen Rolle findet sie keine Ruhe. Schon ein Jahr später bricht sie auch aus der Homosexualität wieder aus, beginnt sich feiner zu kleiden, sich zu schminken und weiblicher zu frisieren.

Trotz männlichem Körper beginnt Florence, sich weiblich zu kleiden. (Bild: zVg)

«Habe schwer mitgelitten»

Die Zeit hautnah miterlebt hat Markus. Der langjährige Freund von Florence bekommt mit, wie Florence von der Gesellschaft verstossen wird, wie man versucht, sie zurück in die Männlichkeit zu treiben: «Das war echt krass, ich habe schwer mitgelitten», sagt Markus heute:

(Video: Telebasel)

Florence erkennt: Mit einem männlichen Körper würde sie niemals als Frau akzeptiert werden. Sie beschliesst, ihre männliche Hülle abzustreifen und ihr Äusseres operativ anzugleichen. Nur gerade fünf Jahre später meldet sie sich für die ‹Miss Nordwestschweiz›-Wahlen an und – stürmt prompt ins Finale der Top sechs.

Wie Florence heute mit ihrem Leben als Transfrau umgeht, was ihre Träume sind und wie sehr sie unter den gesellschaftlichen Normen leidet erfahren Sie im Report vom 26. April 2017.

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