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Der Telebasel News Beitrag vom 24. April 2017.

Basel

Die Stichwahl in Frankreich und ihre Folgen für Basel

Er bricht eine Lanze für Europa, sie wollte die Grenzen wieder zurück: Die Wahl zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen ist auch für das Dreiländereck wegweisend. Ob Pendler, ÖV oder Flughafen - Verschiedenes ist von der künftigen Stossrichtung in Paris betroffen. Dieser Ansicht sind Stimmen aus der Politik und Wirtschaft.

Der linksliberale Kandidat Emmanuel Macron hat laut ersten Hochrechnungen die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewonnen. Gemäss Prognosen französischer Medien erhielt er mehr als 65 Prozent der Stimmen und distanzierte somit seine rechtspopulistische Konkurrentin Marine Le Pen klar. Damit atmet auch die Region Basel auf, die auf eine Wahl des Linksliberalen hoffte.

Le Pen wäre verheerend

Raus aus Schengen, Schlagbäume runter: Die Forderungen von Marine Le Pen waren aus der Sicht von SP-Grossrat Christian von Wartburg wenig realistisch. Gerade für eine Grenzregion wie Basel wäre das besonders verheerend gewesen: «Stellen Sie sich vor, all die Pendler aus Frankreich müssten kontrolliert werden – und nicht nur stichprobenmässig wie jetzt», sagt der Präsident der Regiokommission. «Das wäre logistisch gar nicht zu bewältigen.»

Probleme einer isolationistischen Politik, wie sie der rechte ‹Front National› vertritt, hätten in seinen Augen auch einem laufenden ÖV-Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Verlängerung der Tramlinie 3 wäre wohl nur halb so spannend gewesen. «Alle müssten bei der Grenze aussteigen und sich einer Personenkontrolle unterziehen», prophezeite Christian von Wartburg. So werde es schwierig, den Taktfahrplan des Trams einzuhalten. Mögliche Probleme sah der Grossrat auch für die Idee einer Bahnstrecke zum EuroAirport im Falle Wahlerfolgs von Le Pen.

Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel, sah das ähnlich. Wie er findet, ist ein eher europafreundlicher Kurs der französischen Regierung im Sinne der regionalen Wirtschaft. Auch er nennt als wichtigen Punkt den Flughafen, der auf eine Zusammenarbeit zwischen Paris und Bern angewiesen sei. «Darum wäre Herr Macron als Präsident sicher keine schlechte Nachricht für die Region», sagt Saladin. Er sah aber dem 7. Mai gelassen entgegen. Schliesslich habe man ja bereits beim Wahlkampf von Donald Trump gesehen, dass nicht alles umgesetzt wird. «Wir werden sehen, ob die Hunde, die bellen, dann auch tatsächlich beissen.»

Saint-Louis hoffte auf Macron

Mehr Fingerspitzengefühl für die Grenzregion Elsass. Das erhofft sich Jean-Marie Zoellé vom künftigen Präsidenten. Der Bürgermeister von Saint-Louis nennt als Beispiele die Verlängerung der Tramlinie 3 und den EuroAirport. «Wir werden sehen, ob wir Frankreich einmal in Staat umbauen können, der nicht mehr hyperzentralisiert ist». Wenn alles weiterhin auf Paris ausgerichtet bleibe, werde die Sensibilität für die spezielle Lage seiner Gemeinde fehlen.

Bei der Stichwahl tippt Zoellé auf Emmanuel Macron. Aus seiner Sicht verkauft Le Pen lediglich den «alten Laden» ihres Vaters. Ihr Wahlprogramm sei auf die Vergangenheit gerichtet. In Macron sieht er hingegen noch eher das, was das Dreiländereck ausmacht: «Wir leben ja Europa im Alltäglichen».

«Zwischen Pest und Cholera»

Bei den Urnen sind nicht alle so begeistert über die Konstellation des zweiten Wahlgangs: «Wir befinden uns zwischen Pest und Cholera », sagt Philippe Amecy. Der Pfarrer aus Saint-Louis beschreibt die Wahl dem wirtschaftsliberalen Emmanuel Macron und der rechtsnationalen Marine Le Pen mit pointierten Worten. Wie er feststellt, entscheiden sich viele für den Ersteren, um dem Front National aus dem Weg zu gehen.

Für Fathi Mohamed ist hingegen klar, dass das Elsass mit den vielen Pendlern in die Schweiz auf offene Grenzen angewiesen ist. Daher vermutet er, dass Macron aus diesem Grund auch hier einige Stimmen bekommen wird. Wer auch immer das Rennen macht: Michèle Cabocel findet, dass das Land dringend mehr Arbeitsstellen und mehr Blicke in die Zukunft braucht. Doch nicht nur das. Verschlossenheit und Angst blockieren in ihren Augen momentan viel. «Wir müssen auch wieder träumen lernen», findet die Wählerin.

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