Der Angriff belastet das Finale eines ohnehin chaotischen Wahlkampfs. Mehrere Kandidaten, unter ihnen der Sozialliberale Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen, sagen Wahlauftritte ab. (Bild: Keystone/EPA/JULIEN DE ROSA)

International

Anschlag auf Polizisten erschüttert Frankreichs Wahlfinale

Der tödliche Anschlag auf Polizisten in Paris hat das Wahlkampf-Finale vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl überschattet. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Attacke eines 39-Jährigen am Freitag als «terroristische Tat».

Der Mann hatte am Vorabend auf der Pariser Prachtstrasse Champs-Élysées einen Polizisten erschossen. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Passantin wurden verletzt, bevor die Polizei den Angreifer tötete. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich.

In der Nähe seiner Leiche fanden die Beamten einen handschriftlichen Zettel, auf dem der IS verteidigt wurde – er sei wahrscheinlich aus der Tasche des Mannes gefallen, so Staatsanwalt François Molins. Im Auto des Angreifers lagen ein Koran und eine weitere Schusswaffe.

Die Behörden hatten den Mann Anfang des Jahres bereits im Visier: Es habe Hinweise auf Äusserungen gegeben, dass er Polizisten umbringen wollte, sagte der Chefermittler. Die Untersuchung habe jedoch zunächst keine ausreichenden Beweise erbracht.

Der Angreifer war 2005 schon einmal wegen eines Angriffs auf Polizisten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Es folgen noch drei weitere Verurteilungen, unter anderem wegen Gewalt gegen einen Justiz-Beschäftigten. Einschliesslich Untersuchungshaft sass er damit von 2001 bis 2015 fast durchgängig in Haft. In dieser Zeit habe es keine Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben.

Einfluss auf Wahl?

Der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte Angriff entfachte kurz vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung heftigen Streit über die Sicherheitspolitik. Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen warf der Regierung Nachlässigkeit im Anti-Terror-Kampf vor.

Premierminister Bernard Cazeneuve erwiderte ungewöhnlich scharf, Le Pen schlachte das Drama zu Wahlkampfzwecken aus. Der Konservative François Fillon kündigte für den Fall eines Wahlsiegs schärfere Massnahmen an.

Nun stellt sich die Frage, ob der Anschlag einen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten beim ersten Wahlgang am Sonntag hat. Das Rennen gilt als Schicksalswahl für Europa.

In Umfragen lag der pro-europäische Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron zuletzt leicht vorn, gefolgt von Europa-Feindin Le Pen, die ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft will.

Aber auch der Konservative Fillon und der ebenfalls mit scharfer EU-Kritik auftretende Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon können sich noch Hoffnungen machen, sich für die entscheidende Stichwahl am 7. Mai zu qualifizieren. Mehrere Kandidaten unterbrachen nach dem Anschlag ihren Wahlkampf oder sagten Kundgebungen ab.

Wahlkampf zu Ende

Nachdem erst wenige Tage zuvor in Marseille ein Anschlagsplan vereitelt worden war, erhöht die Attacke die Anspannung im terrorgeplagten Frankreich. Regierungschef Cazeneuve rief seine Landsleute auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. «Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen», sagte er.

In den kommenden Tagen werden mehr als 50’000 Polizisten eingesetzt, um die Präsidentenwahl zu schützen. Auch Spezialeinheiten der Polizei sind dann in Alarmbereitschaft. Im Land gilt nach einer beispiellosen islamistisch motivierten Anschlagsserie mit mehr als 230 Toten der Ausnahmezustand.

Freitag war offiziell der letzte Wahlkampf-Tag vor der ersten Runde, am Wochenende ist dann die Veröffentlichung neuer Umfragen verboten.

(sda dpa)

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