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Der Telebasel Talk vom 18. April 2017 mit Philippe Bischof (Moderation: Adrian Plachesi).
Basel

Warum verlassen Sie uns für die Pro Helvetia, Philippe Bischof?

Nicht mal sieben Jahre hat er es bei uns ausgehalten, im November wird er weg sein: Philippe Bischof wird Direktor der Pro Helvetia, der Kulturgeldausschüttungsmaschine des Bundes. Einhelliger Kommentar: Basel verliert den Supermoderator des Kulturlebens. Warum er das Kulturweltdorf, in dem alles so schön nah ist, verlässt, erklärt er ab 18:40 Uhr im Talk vom 18. April 2017.

Etwas Gutes hat der Abgang für uns Lokalchauvis: Mit Philippe Bischof im neuen Amt werden wir etwas mehr ‹Baseldytsch› beim grossen Fernsehen hören. Im rotblauen Sofa sitzend können wir uns stolz sagen: Einer von uns! Weit gekommen. Gehört jetzt zu den Grossen. Kronenhalle statt Kunsthalle. Direktor Pro Helvetia statt Leiter Abteilung Kultur: ersteres heisst Chef, letzteres Bürochef.

Und trotzdem ist Bischofs Weggang natürlich sehr unerfreulich. Philippe Bischof, der Mann, der es mit allen kann. Der keine Namen vergisst. Der einen im Gespräch gefühlsmässig zum Teilnehmer eines Kulturdialogs aufwerten konnte – und das ohne zu schmeicheln. Auf einmal hatte die Basler Kulturförderung einen Supermoderatoren, der über seine Auftritte Regie führte und sie innerlich vorzuscripten schien. Druckreife Eloquenz. Dossiersichere Auskunftsstelle. Strikte Konzepttreue. Betontes Stilgefühl bei der Wahl seiner Anzüge: noch klassisch, fast modisch im Stil ‹Ich bin ja auch Künstler, nicht nur Kulturmanager› – was ja auch stimmt.

Und im Gespräch flutschte da und dort ein Hauch narzisstischer Impresario-Eitelkeit durch, wenn er «wir» sagte, Basel meinte, unser Kulturweltdorf: Mit den Direktoren Andreas Beck am Theater Basel, Josef Helfenstein im Kunstmuseum, Sam Keller in der Fondation Beyeler hätten «wir» schon eine topbesetzte Kulturstadt.

Aber das ist eben auch sehr schön! Seit langem gab niemand so sehr sein ‹Gesicht› und sein Wesen im Kulturchefbeamtenjob preis, machte sich greifbar als der Mensch im Amt (auch wenn er zu politischen Fragen oft schwieg) – diese Lücke ist nicht leicht zu füllen.

Nun also geht der Supermoderator als Kapitän an Bord des trägen Supertankers Pro Helvetia. Als «gut verplant» bezeichnete Martin Ebel im Tagesanzeiger die 40 Millionen Franken Jahresbudget, die Bischof ab November verteilen wird.

Hatte er da nicht mehr Spielraum in Basel? Und – sowieso – viel mehr Geld, nämlich rund 120 Millionen Franken? Warum also verlässt er uns? Was will er bei Pro Helvetia bewirken? Was sagt er über das Basler Museumskonzept? Und zur neuen Förderstrategie des Bundes, die unsere Museen in Unsicherheit stürzt?

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