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Der Telebasel Talk vom 3. April 2017 mit Boris Nikitin und Laura de Weck (Moderation: Karin Müller).

Basel

Basler Theaterfestival: Mit Satire gegen Trump und Co.?

Die Basler Dokumentartage werden das spannendste Basler Theaterfestival dieses Jahres. Festivalchef Boris Nikitin will uns «das irre Lachen über die Wirklichkeit» beibringen, die in Zeiten von Fake News und medialer Überreizung immer schwerer zu erkennen ist. Mit dabei: die Dramatikerin Laura de Weck mit einer Liebeserklärung an die direkte Demokratie. Im Talk vom 3. April 2017 ab 18:40 Uhr: Boris Nikitin und de Weck.

Das Festival heisst «It’s The Real Thing», und man spürt schon im Namen die ironische Krümmung. Was soll denn das reale Ding schon sein? Kann es sowas überhaupt geben? Naheliegend, dass sich diese Basler Dokumentartage – beim bereits dritten Jahrgang – mit der Satire» auseinandersetzt, dem dunklen Clown des Dokumentarischen. Heisst das die üblichen, letztlich harmlosen Trump- und Putin-Witzeleien und -Imitationen?

Boris Nikitin setzt an einem tiefer gelegenen Punkt an:«Satire, das ist die stete Simulation der Krise, stellt sie doch die Wirklichkeit nicht einfach dar, sondern übertreibt, polemisiert, karikiert, irritiert und verschiebt die Grenzen des Vertretbaren – oder löst sie komplett auf. Sie ist das Dokumentarische im Fieberzustand». Damit ist ja nicht bloss die Satire erklärt, so sieht Nikitin nämlich den Zustand der Welt. Man kann fragen: Wer denn eigentlich nicht?

(Der Karikaturist Chappatte wird an den Dokumentartagen auftreten)

Aber findet man solche Befunde nicht auch schon bei Shakespeare oder sogar bei den griechischen Tragikern? Boris Nikitin will auch in Zeiten von Trump, Putin oder Fake News nicht auf Alarmismus machen. In der BZ sagte er: «Es bricht vielmehr etwas auf, was unter der Oberfläche stets da war. Aber im Hinblick auf die Basler Dokumentartage beschäftigt mich diese Verzerrung von Wirklichkeit schon. Zwischendurch hatte ich die Befürchtung, dass uns die Realität überholt».

Basler Fasnacht, Chappatte und Martin Luther

Das Programm ist dicht. Vom 5. bis 9. April wird Theater gespielt, werden Vorträge gehalten, Ausstellungen gezeigt. Der bekannte Karikaturist Chappatte spricht über seine Kunst der Karikatur. Mit dem Pop-Journalisten Diedrich Diederichsen kann man darüber diskutieren, ob Satire «alles darf». Der Basler Kurator Benedikt Wyss lotet an einer Ausstellung «die vermeintliche Narrenfreiheit» Basler Fasnacht aus.

(Die alte Stainlemer mit Stinkefinger)

Die preisgekrönte Dramatikerin Laura de Weck befragt uns in ihrer Uraufführung von ‹Direkt Demokratisch LOVE› wie wir es denn haben mit der direkten Demokratie in der Schweiz. Und Nikitin selber provoziert zum 500 Jahr-Jubiläum der Reformation mit seinem ‹Martin Luther Propagandastück›. Er fragt:«Wann schlägt eine radikale Entscheidung in Terror oder Liebe um? Eigentlich geht es immer um Entscheidungen: Es ist ja nicht so, als hätten wir es nicht selbst in der Hand. Egal, ob es darum geht, zu glauben, zu lieben, einen Tisch zu bauen, jemanden zu töten – oder zu sterben».

(Luther in Badehosen? Boris Nikitin mit seinem ‹Propaganda›-Abend, Bild: Dorothea Tuch)

Der Festivalchef verspricht: «‹It’s The Real Thing› begibt sich 2017 dorthin, wo die Zeichen sich ihren eindeutigen Zuschreibungen entziehen, ihre Bedeutungen zum Schillern gebracht werden, wo zwischen E und U alles unklar und von fröhlicher Ironie ist, wo man nicht mehr weiss, ob man das darf oder nicht darf, ob etwas korrekt oder unkorrekt ist …»

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