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Der Telebasel Report vom 29. März 2017.

Baselland

Knatsch um Hochhaus Liestal

Es soll das Herzstück der Vision ‹Liestal 2025› werden: Der neue Bahnhof samt Büro-Komplex mit einem 57 Meter hohen Hochhaus. Doch ausgerechnet jenes Herzstück steht nun in der Kritik.

Liestal boomt – Wohnungen und Gewerbeflächen spriessen förmlich aus dem Boden, sogar ein Stadtpark soll es geben: «Im Dreieck Volketswil, Wallisellen und Dübendorf ist das vielleicht normal, aber in dieser Qualität und dieser Geschwindigkeit ist das im Baselbiet sicher einzigartig», sagt etwa der ehemalige Liegenschaftsverwalter des Kantons Baselland und heutige Areal-Entwickler Gerhard Läuchli.

Und dies obwohl der Baselbieter Kantonshauptort lange Zeit genau gegenteilige Schlagzeilen geschrieben hat. Nach der Desindustrialisierung in den 60er und 70er-Jahren gelang es Liestal mehrere Jahrzehnte nicht, sich weiterzuentwickeln (siehe Teil 1). Für Gerhard Läuchli begann Liestals Wende mit der Entwicklung des Bahnhofareals:

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Mobilität als Entwicklungstreiber

Die Lösung von Liestals Verkehrsproblemen scheint der Auftakt einer prosperierenden Zukunft gewesen zu sein. Einerseits wurde mit dem Bau der Hochleistungsstrasse A22 zwischen Liestal und Pratteln das ewige Ärgernis Rheinstrasse beseitigt. Die notorisch verstopfte Verbindung nach Basel wurde abgelöst – seither ist Liestal auch auf der Strasse bestens in Richtung Basel erschlossen.

Mit dem geplanten Vierspur-Ausbau samt Wendegleis ziehen die SBB nun auch auf der Schiene nach. Die ohnehin schon komfortablen Zug-Verbindungen nach Basel werden mit der ab 2025 betriebenen Regio-S-Bahn im Viertelstunden-Takt nochmals erheblich aufgewertet. Investitionen, die sich auch für die Liestaler Wirtschaft ausbezahlen, wie die Geschichte der Gebro Pharma AG zeigt:

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Ausgerechnet Bahnhofsprojekt in der Kritik

Angetrieben von Erfahrungen wie jenen mit der Gebro Pharma AG bezeichnet Stadtpräsident Lukas Ott das geplante Bahnhofsprojekt als «absolut zentral» für Liestal und als «eigentlicher Entwicklungsmotor» für die Stadt. Doch ausgerechnet dieses Bahnhofsprojekt gerät jetzt in die Kritik.

Mehrere Anwohner und Einheimische haben sich nach dem Mitwirkungsverfahren mit den SBB und der Stadt zur Gruppe ‹Für ein starkes Liestal› zusammengeschlossen. Ihr Ziel: «Den Liestalerinnen und Liestalern den Schritt von der charaktervollen Kleinstadt zur Bahnhofsstadt mit Hochhaus bewusst machen.»

Mitglieder der Gruppe ‹Für ein starkes Liestal›: v.l.n.r: Raoul Rosenmund, Kurt Bitterli und Jürg Holinger. (Bild: zVg)

Mit den Neuerungen am Bahnhof sei nämlich ein klarer Identitätswechsel verbunden. Dieser werde seitens SBB und Stadt nahezu als unausweichlich dargestellt, sei im Endeffekt aber nichts anderes als «ein Nachvollzug der Renditeabsichten der SBB». Die SBB hätten den Stadtrat bereits soweit um den Finger gewickelt, dass dieser sich kaum mehr aus der Umklammerung lösen könne. Für das Komitee ist deshalb klar: «Der Stadtrat liess sich über den Tisch ziehen.»

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