Chuck Berry 2008 in Zürich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

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Rock’n’Roll-Legende Chuck Berry ist tot

Die Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Die Polizei in St. Charles County, Missouri meldete am Samstag, 18. März 2017, Rettungskräfte hätten ihn am Nachmittag leblos in seinem Haus gefunden, ihn aber nicht wiederbeleben können.

Die Polizei ‹bestätigt traurig den Tod von Charles Edward Anderson Berry Sr., besser bekannt als der legendäre Musiker Chuck Berry›, heisst es in der Mitteilung auf Facebook. Berrys Familie habe darum gebeten, in ihrer Trauer nicht gestört zu werden.

Viele Fans und Kollegen betrauerten den Tod des Musikers im Internet. «Ich bin so traurig zu hören, dass Chuck Berry gestorben ist», schrieb Rolling Stones-Sänger Mick Jagger bei Twitter. «Ich möchte mich bei ihm für all die inspirierende Musik bedanken, die er uns gegeben hat. Er hat Licht in unsere Teenager-Jahre gebracht und uns davon träumen lassen, Musiker zu werden. Seine Texte haben andere überstrahlt und ein merkwürdiges Licht auf den amerikanischen Traum geworfen. Chuck, du warst grossartig und deine Musik ist in uns für immer eingraviert.»

«Der König ist tot»

Der Musiker Bruce Springsteen bezeichnete Berry als «besten Fachmann, Gitarristen und puren Rock’n’Roll-Schreiber, der je gelebt hat». Chuck Berry habe die Musik und jeden, der Musik hört, verändert, schrieb Schauspielerin Alyssa Milano bei Twitter: Musiker John Mayer würdigte Berry als «Legende». Autor Stephen King schrieb, die Nachricht habe sein Herz gebrochen: «Aber 90 Jahre alt ist nicht schlecht für Rock’n’Roll». Und der Comedian Marc Maron schrieb schlicht: «Der König ist tot».

Chuck Berry wurde am 18. Oktober 1926 in St. Louis geboren und lernte mit 16 Jahren Gitarre spielen. Ab 1953 spielte er in einer Band, die sich bald von Sir John’s Trio in Chuck Berry Combo umbenannte. 1955 schaffte Berry den Durchbruch mit ‹Maybellene›, Platz Nr. 5 in den Billboard Charts.

Seine Texte sprühten einen unbekümmerten Charme aus, und seine Art Gitarre zu spielen wurde nicht nur zur Triebfeder des Rock’n’Roll, sondern setzte auch den Ausgangspunkt für das, was später Rockmusik werden sollte.

Chuck Berry beeinflusste eine ganze Kultur

Berry prägte die Jugendkultur in den 50er Jahren massgeblich mit. Der Afroamerikaner gilt als einer der Pioniere des Rock’n’Roll, als einer der grössten Songschreiber und besten Gitarristen seiner Zeit. Er beeinflusste Musiker wie The Beatles, The Rolling Stones, The Beach Boys oder Bob Dylan.

Für sein Lebenswerk erhielt er einen Grammy und gehörte zu den ersten Musikern, die 1986 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurden.

Seine Hits wie ‹Roll Over Beethoven›, ‹School Day›, ‹Rock and Roll Music›, ‹Sweet Little Sixteen› und ‹Johnny B. Goode›, der Song mit dem legendären Gitarren-Intro, gelten längst weltweit als Klassiker. Seinen ersten Nr. 1-Hit hatte CHuck Berry allerdings erst 1972 mit ‹My Dingeling›

Haftstrafen

Chuck Berry war nicht nur einer der Gründerväter des Rock’n’Roll, sondern auch einer der wichtigsten Wegbereiter für bessere Karrierechancen für schwarze Künstler. Die Zeile «That little country boy could play› in ‹Johnny B. Goode›  lautete ursprünglich «That little colored boy can play». Aber mit diesem Satz wäre der Song damals von den Radiostationen nicht gespielt worden.

Chuck Berry wurde trotz widriger Umstände – 1944 wurde er wegen Ladendiebstahls und Raubüberfällen zu drei Jahren Haft verurteilt, von Februar 1962 bis Oktober 1963 sass er wegen angeblicher Vergewaltigung im Gefängnis – zu einem der einflussreichsten Gitarristen seiner Zeit.

Eine besondere Ehrung erwiesen ihm die Organisatoren des Flugs der Raumsonde Voyager 1: An Bord der Kapsel befindet sich ein Clip von ‹Johnny B. Goode›, um ausserirdischen Kulturen von der musikalischen Ausgelassenheit auf dem Planeten Erde zu künden.

Von Veranstaltern gefürchtet

Obwohl Chuck Berry auch in sehr fortgeschrittenem Alter (2013 trat er noch in Europa auf) grosse Konzerthallen locker füllen konnte, war er unter Konzertveranstaltern doch für seine Eskapaden berüchtigt. So soll es ab und an vorgekommen sein, dass er nach dem ersten Song Konzerte abbrach und einiges mehr an Gage gefordert haben soll, ansonsten er nicht weiterspielen werde.

An einem Festival im Tessin soll er gefordert haben, dass man ihm einen nicht ganz billigen – und auch nicht ganz einfach aufzutreibenden – roten Sportwagen zu Verfügung stelle. Der Meister soll sich in das Schmuckstück gesetzt haben, damit verschwunden und bis kurz vor Beginn seines Auftritts nicht mehr aufgetaucht sein.

Neues Album angekündigt

Chuck Berry setzte als Komponist, Texter und Performer Massstäbe. Sein ‹Duck Walk› bei Live-Auftritten ist ebenso legendär wie sein vor Barrée-Akkorden sprudelndes Solospiel.

Der berühmte Duck Walk:

(Keystone/(AP Photo)

Keith Richards sagte über ihn: «Er spielt dieses hübsche Doppel-Saiten-Zeugs, das ich schon seit langem übe, aber immer noch nicht voll drauf habe. Später habe ich erkannt, warum er so spielte: Es ist die schiere Körpergrösse. Eine grosse Gibson sieht bei ihm wie eine Ukulele aus!»

In den vergangenen Jahren war Berry aus Altersgründen immer seltener auf der Bühne. An seinem 90. Geburtstag hatte er aber im vergangenen Oktober die Veröffentlichung seines ersten Albums seit fast vier Jahrzehnten angekündigt. Die Platte mit dem schlichten Titel ‹Chuck› soll im Laufe dieses Jahres erscheinen.

Chuck Berry widmete das Album seiner Frau Themetta Berry, mit der er fast 69 Jahre lang verheiratet war. «Mein Schatz, ich werde alt! Ich habe an dieser Platte lange Zeit gearbeitet. Jetzt kann ich meine Schuhe an den Nagel hängen», habe der Musiker erklärt.

(sda dpa/ew)

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