Manche Patienten schwören auf die heilende und schmerzlindernde Wirkung von Cannabis. (Keystone/AP Photo/Peter Dejong)
Basel

Weiteres Vorgehen im Basler Cannabis-Projekt

Nach dem Vorliegen der Resultate der interurbanen Online-Umfrage zum Cannabiskonsum konkretisiert sich nun das Basler Projekt. Das drei Jahre dauernde Basler Pilotprojekt wird für 150 Cannabiskonsumierende geplant.

In Basel-Stadt wird nun ein konkretes Studienprotokoll ausgearbeitet. Die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPKBS) erstellen diese nötige Grundlage im Auftrag des Gesundheitsdepartementes. In Basel-Stadt stehen Erwachsene im Fokus, die aus gesundheitlichen Gründen regelmässig Cannabis konsumieren, um damit subjektive Beschwerden im Sinne einer ‹Selbstmedikation› zu lindern.

Untersuchungsgegenstand ist dabei nicht die Wirkung von Cannabis. Hauptziel der Studie ist es zu evaluieren, ob das Angebot des legalen Cannabiskaufs genutzt wird und wie sich der legale Kauf auf das Konsumverhalten der Personen auswirkt.

Das drei Jahre dauernde Pilotprojekt wird ausschliesslich für Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten mit Wohnsitz im Kanton Basel-Stadt geplant. Cannabis werden sie dabei in ausgewählten Apotheken legal kaufen können.

Ausnahmebewilligung nötig

Interessierte müssen sich jedoch noch gedulden: Bevor das Projekt starten kann, sind die Zustimmung der Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz, die finale Zustimmung der basel-städtischen Behörden und die Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit nötig.

Zudem muss die Projektfinanzierung sichergestellt werden. Wenn alle Bewilligungen vorliegen und die Finanzierung sichergestellt ist, kann das Pilotprojekt beginnen. Das Gesundheitsdepartement rechnet damit, dass dies im Herbst 2018 der Fall sein wird.

Resultate der Online-Befragung

Die interurbane Arbeitsgruppe Cannabis hat auch die anonyme Online-Befragung von vergangenem Dezember ausgewertet.

Bei der Online-Befragung, die vom 21. November bis 21. Dezember 2016 stattfand haben zu Beginn  der Umfrage rund 5‘300 Personen mitgemacht. Da Cannabis-Konsum innerhalb der letzten 30 Tage Voraussetzung für die Fortsetzung war, fuhren rund 4‘300 Cannabiskonsumierende mit der Befragung fort. Rund 3‘700 Personen oder 86 Prozent der Teilnehmenden haben das 11 Minuten dauernde Interview vollständig beantwortet.

Wichtigste Erkenntnisse aus wissenschaftlicher Sicht

Die Cannabiskonsumierenden sind im Durchschnitt 30 Jahre alt, der Einstieg in den Cannabiskonsum erfolgte mit ca. 16 Jahren. Beides gilt sowohl für Männer (80 Prozent) wie auch für Frauen (20 Prozent).

Eine Mehrheit geht einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach. Zwei Drittel beziehen Cannabis oft oder immer über den Schwarzmarkt, weitere 30 Prozent über Bekannte und 10 Prozent bauen selber an.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Befragung wurden auch Menge, Gründe und die Form des Konsums erhoben. In allen Regionen ist ein Joint mit Tabak die vorherrschende Konsumform. Die Motive für den Konsum wurden von fast allen Teilnehmenden beantwortet: Er erfolgt bei rund der Hälfte der Teilnehmenden primär aus hedonistischen Gründen, also zwecks Genuss und Spass. Bei den meisten anderen mit Motiven, die als Selbstmedikation bezeichnet werden können.

Die Befragung zeigt auch, dass die Konsumierenden bereit sind, Restriktionen bei einem regulierten Cannabiserwerb in Kauf zu nehmen: Rund die Hälfte der Teilnehmenden der Online-Befragung würden grundsätzliche Rahmenbedingungen akzeptieren, welche für ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt auch zwingend erforderlich sind.

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