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Der Telebasel Talk vom 27. Februar 2017.
Basel

Emil zeigte es «no einisch»

Monatelang stand der 84-jährige Kabarettist fast täglich mit einem dreistündigen Solo-Programm auf der Bühne. Mitte März 2017 war der Schweizer Jahrhundert-Bühnenkünstler wieder im Theater Fauteuil zu erleben. Im Talk sprach Emil Steinberger über seine Arbeit und sein Leben auf Tour. Am 4. Januar 2017 können sie ab 18:40 Uhr die Wiederholung des Talks sehen.

War Emil in den siebziger Jahren irgendwo auf einem Fernsehkanal angekündigt, so war die Diskussion über die familiäre Abendgestaltung beendet. Die ganze Schweiz schaute hin – und lachte. Obgleich diese Nationalfigur im Grunde genommen eine Katastrophe war: bünzlig, übellaunig, unterwürfig, geizig, verklemmt, ängstlich und feige, seinen Alltag mit kleinen, lächerlichen Abenteuern aufmischend.

Emil braucht Gelächter, Schweiz braucht Emil

Dieser Emil war auch deshalb eine Katastrophe, weil Steinberger mit seiner Figur scheinbar nichts anderers wollte, als die Leute zum Lachen bringen. Da bildete sich bald die Symbiose: Emil braucht Gelächter, die Schweiz braucht Emil.

Appellierte der Moritaten-Sänger Mani Matter mit seinen Liedern an das Schöne und Gute und Wahre, forderte der intellektuelle Cellist Franz Hohler sein Publikum gesellschaftskritisch heraus, so schwieg Emil als Verlierer-Figur, die von den Zumutungen des Alltags überwältigt wird – und diese schamlos an seine Nächsten weiterreicht.

Emil, das hiess immer Underdog, ein trotteliger Spiessbürger, der der Komplexität des gesellschaftlichen Lebens wie ein unbedarftes Kind ausgesetzt ist. Emil, das ist das Unbewusste ohne Lebenskunst, Bildung, Kultur und Sittenkorrektiv, bei dem sich herauskehrt, was man tut, wenn man sich unbeobachtet wähnt. Es gehört zu Steinbergers Höchstleistungen, damit stilvoll umzugehen.

Wenn dieser Emil als Korrektiv auf uns wirkte, so in homöopathischen Dosen: So ein Bünzli-Schlufi will man heute nicht mehr sein. Insofern schuf Steinberger die vielleicht gesellschaftspolitisch wirksamste Performance.

Zeitlose Gags

Aber jetzt das Erstaunliche: Emil funktioniert als Bühnenfigur noch immer. Monatelang war Steinberger letztes und vorletztes Jahr mit seinen bekanntesten Nummern unterwegs, spielte vor ausverkauften Häusern, stadtauf, landab, erhielt glänzende Kritiken.

Es ist schier unglaublich: Viele Leute lachten über genau die Nummern, mit denen sie vor 40 Jahren aufgewachsen sind und die sie wörtlich auswändig können. Seine Polizeihauptwache, sein Mann am Fenster, sein Essen beim Bueli, sein Chilleli vo Wassen: All das sorgt noch immer für Lachsalven, bärtige Nerd-Slampoeten hin, Pointen-Megaphon-Stadion-Comedians her, die Erinnerungen an Telesatan Harald Schmidt oder Harry Hasler wegwischend.

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