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Der Telebasel Talk vom 3. Januar 2017.

Basel

Schickt das soziale Basel Obdachlose in die Kälte?

Es ist kalt draussen. Dennoch weise die Basler Notschlafstelle Obdachlose ab, so der Vorwurf, den Claudia Adrario von der Wärmestube ‹Soup & Chill› in Medienberichten erhob. Und das nicht wegen Überbelegung, sondern weil die Obdachlosen Auswärtige seien. Christoph Brutschin bestätigte: «Wir können nicht allen Unterschlupf gewähren». Heute nimmt der Basler SP-Regierungsrat im Talk Stellung.

Die Geschichte hat mittlerweile die Politik erreicht. Die «Basler Sozialhilfe gefährdet Menschenleben», titelte das Junge Grüne Bündnis in einer Medienmitteilung. Mit Bestürzung und Sorge habe man zur Kenntnis genommen, dass die Notschlafstelle, die von der Basler Sozialhilfe betrieben wird, Obdachlose abweise und zurück auf die Strasse schicke. Das Bündnis forderte die Sozialhilfe auf, von dieser «unmenschlichen und gefährlichen Praxis» abzulassen, und den Obdachlosen Schutz zu geben.

Krach zwischen Adrario und Basler Sozialhilfe

«Unmenschlich und gefährlich» nennt auch die Gründerin der Wärmestube ‹Soup & Chill› Claudia Adrario die Praxis der Basler Sozialhilfe: «Irgendwann wird jemand erfrieren», sagte sie der Tageswoche, die über den Konflikt berichtete: Zwischen Adrario und der Basler Sozialhilfe kam es im Dezember zum grossen Krach. Als soziale Institution darf die Wärmestube Kostengutsprachen für die Übernachtung in der Basler Notschlafstelle aushändigen. ‹Soup & Chill› habe aber viel zu viele Kostengutsprachen vergeben. In Rücksprache mit Sozialminister Christoph Brutschin wurde deren Zuteilung an die Wärmestube zahlenmässig begrenzt, wie die aktuelle ‹Schweiz am Sonntag› berichtete.

«Notschlaf-Tourismus»

Für die Sozialhilfe galt es, «die Reissleine zu ziehen», so zitierte das Blatt die Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner. Konkret: Von den Bons der Wärmestube profitierten hauptsächlich Wanderarbeiter aus Rumänien, Polen und der Slowakei, die eine Arbeit in Basel suchten. Die Sozialhilfe habe eine Sogwirkung befürchtet, einen eigentlichen «Notschlaf-Tourismus». Der zunehmend hohe Anteil «von jungen Männern» aus dem Osten habe jedenfalls zu starken Spannungen in der Notschlafstelle geführt, sagte Wagner in einem Telebasel-Bericht vom Montag, 2. Januar 2017.

Aber wie ist die Situation denn nun wirklich? Weist die Notschlafstelle tatsächlich, trotz leerer Betten, wie behauptet wird, Obdachlose ab? Bestünde keine Pflicht, allen Leuten ein Bett zu bieten, wie Adrario dies mit Verweis auf die Bundesverfassung fordert? Oder wird Basel von einem «Armutstourismus» mittelloser EU-Bürger konfrontiert, den Basel nicht bewältigen könnte?

Im Telebasel Talk vom 3. Januar nimmt der zuständige Departementsvorsteher, SP-Regierungsrat, Christoph Brutschin Stellung.

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