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Der Telebasel Report in der Wiederholung, am 12. April 2017. (WH vom 9. November 2016)

Basel

Der Piano-Flüsterer

Jahr für Jahr geben sich die besten Pianisten der Welt in Basel die Klinke in die Hand. Alle schwärmen sie von der Akustik im Musiksaal oder vom Klang der Basler Konzertflügel. Während das erste architektonisch bedingt ist, ist Letzteres auf die Arbeit von Heinz Becker, dem Piano-Flüsterer aus Basel zurückzuführen.

Mit seinem rassigen Jeans-Hemd, dem urchigen Bart und den langen Haaren passt Heinz Becker bestens auf jede Rock-Bühne der Welt. Dass er sich jedoch mit den leisen Tönen auskennt, weder E-Gitarre noch Schlagzeug beherrscht, sondern das Klavier, das macht den Piano-Flüsterer umso interessanter. Wobei: Selber Klavier spielen kann Becker nicht. Dafür kennt er jedes Schräubchen, jedes Federchen und was es sonst noch gibt, im Innern eines Flügels, auswendig. Reparieren, Restaurieren und gar von Grund auf Neubauen kann er – nur spielen nicht.

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(Bild: Telebasel)

Auf der Suche nach der perfekten Stimmung

«Oberfläche hat in diesem Beruf nichts verloren – ein gewisser Hang zur Perfektion ist in unserem Metier Grundvoraussetzung», sagt Becker und feilt dabei am Filz eines neuen Hammerkopfes. Seit 25 Jahren stimmt er im Auftrag der Casino-Gesellschaft Basel die Flügel von teilweise weltbekannten Pianisten. Zuerst als Stellvertreter, seit nunmehr elf Jahren als Alleinverantwortlicher. Bei rund 80 bis 100 Stimmungen pro Jahr hat Becker also schon alles gesehen, was es im Zusammenhang mit Pianos zu sehen gibt.

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(Bild: Telebasel)

Regulation, Intonation, Stimmung

Nebst dem korrekten Stimmen der Konzertflügel ist Heinz Becker auch für die mechanische sowie klangliche Wartung der Instrumente zuständig. Passt er etwa die Falldistanz der Hammerköpfe an oder zieht er die Federstärke nach, dann spricht man von «Regulation», von der Mechanik. In der Regel startet Becker bei Konzerten mit diesen Arbeitsschritten, bevor er sich anschliessend der «Intonation» widmet. Hierbei geht es um Klangfarben: Sticht ein Ton zu sehr heraus? Ist er im Gegensatz zu den anderen zu leise? Zu weich? Klingen auch wirklich alle drei Saiten eines Tones? Erst wenn dies erledigt ist, widmet sich Becker dem eigentlichen Stimmen.

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(Bild: Telebasel)

Klavierbauer kann man lernen

Die eigentliche Kunst, sagt Becker, sei nicht, dass ein Flügel richtig tönt, sondern dass die Stimmung ein ganzes Konzert lang halte. Dafür brauche es in erster Linie Erfahrung – einfach so beibringen könne einem das niemand. Die meisten Konzertstimmer gehen aber aus dem Klavierbau heraus – einer anerkannten Lehre – auch in der Schweiz. Während vier Jahren lernt man als «Musikinstrumente-Bauer mit Fachrichtung Piano» sowohl die Mechanik wie auch die Stimmung von Klavier und Flügel kennen. Wer möchte kann sich dann in speziellen Seminaren der grossen Hersteller wie Schimmel oder Steinway spezialisieren. Becker hat seine Ausbildung gleich im Werk von Schimmel absolviert.

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(Bild: Telebasel)

In der Konzertstadt Basel trifft Heinz Becker immer wieder auf die besten Pianisten der Welt. So auch am vergangenen Montag, als der weltbekannte Grigory Sokolov für einen Solistenabend in Basel auftrat. Der Telebasel Report hat Heinz Becker dabei über die Schulter geschaut und zeigt, wie sich der sympathische Basler auf die Suche nach der perfekten Stimmung macht.

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In aller Kürze:

Der Piano-Flüsterer aus Basel im Telebasel Report.

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