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Beitrag in den Telebasel News vom 1. November 2016.

Basel

«Es war schwierig, Informationen zur Giftigkeit zu bekommen»

Der ehemalige Polizeikommandant und Leiter des Basler Krisenstabs Markus Mohler erzählt, wie schwierig es gewesen sei, die richtigen Entscheidungen zum Schutz der Basler Bevölkerung zu fällen. Mehr dazu in den Telebasel News ab 18:30 Uhr.

«Ich wurde um ungefähr halb ein Uhr von meinem Stellvertreter angerufen», erinnert sich Markus Mohler an die Nacht auf den 1. November 1986, als er zum ersten Mal mit dem Chemie-Grossbrand von Schweizerhalle konfrontiert wurde. Er war damals Kommandant der Basler Kantonspolizei sowie Leiter des kantonalen Krisenstabs.

Die essentielle Grundlage um die richtigen Entscheide zum Schutz der Basler Bevölkerung zu treffen, sei in der Nacht und gegen Morgen sehr dürftig gewesen: «Es war schwierig, Informationen zu bekommen in Bezug auf die allfällige Giftigkeit der Dämpfe und Abgase des Brandes.» Der Baselbieter Kantonschemiker konnte dies auch nicht beurteilen, solange ihm nicht bekannt war, was denn genau dort brannte. Mohler habe dann seinem Kollegen im Baselbieter Krisenstab geraten, nach toten Vögel Ausschau zu halten. Eine entsandte Patrouille sei aber ohne tote Vögel entdeckt zu haben, aus dem Hardwald zurückgekehrt.

Markus Mohler: Der damalige Kommandant des Krisenstabs Basel-Stadt erinnert sich. (Video: Telebasel)

Sirenen im Nachthimmel

«So sind wir dann davon ausgegangen, dass die Luftemmissionen des Brands nicht giftig sein können», erinnert sich Mohler. Dennoch habe sich der Krisenstab dazu entschlossen, Sirenenalarm auszulösen. Es seien bereits in der Nach unglaublich viele Anrufe aus der Bevölkerung auf die Notrufnummer eingegangen. Alle wollten wissen, wie gross die Gefahr denn sei, von der sie im Radio Basilisk erfuhren.

Als die Sirenen losheulten war die grösste Gefahr auf dem Sandoz-Areal auch noch nicht gebannt: «Die Feuerwehren mussten unter allen Umständen dafür sorgen, dass die Flammen nicht auch auf die Tanks in der Nähe übergreifen», beschreibt Mohler und schiebt nach, dass sich darin wohl Phosgen befand. «Ein höchst giftiger Stoff, der auch schon als Kampfgas eingesetzt wurde», sagt Mohler. Wenn der Inhalt dieser Tanks entwichen wäre, hätte Basel eine Katastrophe ganz anderen Ausmasses erlebt. Mit den Sirenen und den Lautsprecherdurchsagen von Polizeistreifen sollten die Leute jedenfalls aufgefordert werden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Endalarm und Volkszorn

Die Feuerwehr konnte den Brand jedoch isolieren. Gegen sechs Uhr morgens war der Brandherd weitgehend gelöscht und wieder unter Kontrolle. Um fünf nach sieben Uhr wurde offiziell Ende des Alarms verkündet. So wurden in Basel-Stadt – trotz der gewaltig stinkenden Umgebungsluft – die Kinder in die Schule geschickt. Der damalige Vorsteher des Erziehungsdepartements Hansrudolf Striebel (FDP) verkündete übers Radio, dass der Unterricht zur dritten Lektion beginne. Er erntete den entfesselten Volkszorn dafür. Zu Telebasel sagte Striebel hingegen, es sei die Entscheidung des Krisenstabs gewesen, die Schulen zu öffnen. Er hat auch seine persönlichen Erinnerungen an den Tag im Basler Staatsarchiv hinterlegt. «Herr Striebel hat entscheiden, die Kinder zu Schule zu schicken. Nicht der Krisenstab», sagt hingegen dessen ehemaliger Kommandant Markus Mohler.

So bleibt an dieser Stelle Aussage gegen Aussage. Tatsache ist jedenfalls, dass glücklicherweise keine Menschen zu Schaden kamen – und dass das Leben im Rhein auf über 300 Kilometer ausgerottet wurde.

In aller Kürze:

Markus Mohler erinnert sich an den denkwürdigen 1. November 1986.

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