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Der Telebasel News Beitrag vom 29. Oktober 2016 von Christian Hilzinger.

Baselland

Schweizerhalle-Brand vor 30 Jahren

Die Brandkatastrophe von Schweizerhalle ist ein Einschnitt in der jüngeren Geschichte der Region Basel. Der Chemiebrand am 1. November 1986 bedeutete für die Bevölkerung eine Schreckensnacht und hatte Folgen bis auf die politische Ebene.

In der Region Basel erinnern sich viele an jenes Schreckensereignis vor 30 Jahren: Um 0:19 Uhr in der Brandnacht loderten in der Lagerhalle 956 des Sandoz-Areals in Schweizerhalle BL die Flammen gen Himmel. Sirenen rissen die Bevölkerung aus dem Schlaf, manche flüchteten. Eine stinkende Wolke breitete sich über Basel und der Region aus. Erst um 5 Uhr hatte die Feuerwehr den Grossbrand unter Kontrolle.

Der Brand hatte über tausend Tonnen Chemikalien erfasst. Lange wusste niemand, was genau in der kaum gesicherten Halle gelagert war. Chemikalien gelangten mit dem Löschwasser in den nahegelegenen Rhein, der sich blutrot färbte, und verursachten ein Aal- und Fischsterben weit rheinabwärts bis in den Norden.

Behörden informierten schlecht

Die Bevölkerung war damals schlecht informiert. Das Schweizer Radio und Fernsehen dudelte Unterhaltungs-Musik und brachte zwar stündlich Nachrichten, jedoch kein Wort über den Grossbrand in Schweizerhalle.

Einzig Radio Basilisk informierte und wurde in jener Nacht wohl zum meistgehörten Medium. Cathy Flaviano, heute Tagesverantwortliche und Programmleitungsmitglied bei Schweizer Radio SRF 1, war damals als 19-jährige Reporterin für Radio Basilisk als erste vor dem Brandort: «Ich stand als erste Journalistin vor dem Eingang der Sandoz. Ich wollte informieren, aber sie liessen mich nicht hinein. Sie wimmelten mich ab. Ich musste damals eine Telefon-Kabine suchen  –  Handies gab es damals noch nicht  –  und berichtete vor Ort». Radio Baslilsik empfahl, die Fenster geschlossen zu halten.

Telebasel-Interview mit Cathy Flaviano:

Husten, Angst und Wut

Über 1’200 Menschen meldeten sich bei Ärzten, etwa wegen gereizter Atemwege und Augen oder wegen Übelkeit. Die Angst und die Wut waren gross: 10’000 Personen nahmen eine Woche nach dem Brand an einer Grossdemo in Basel teil. Strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurden später lediglich zwei Feuerwehrleute, die Löschwasser in den Rhein geleitet hatten.

Der Firmenleitung war indes keine Verantwortung nachzuweisen. Sandoz – später mit Ciba zur Novartis fusioniert – leistete jedoch Schadenersatzzahlungen in der Schweiz, in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden von total 43 Millionen Franken und stiftete 1987 10 Millionen für einen Rheinfonds für Öko-Forschung.

Nachhaltig waren die politischen Folgen: Lücken im Umweltrecht wurden gestopft, etwa mit Störfallverordnung, Risikokatastern und der Pflicht zu Rückhaltebecken. Die Behörden bauten Umwelt- und Kontrollämter aus und vernetzten sich über die Grenzen. Die Chemiefirmen zogen mit. 2006, also 20 Jahre nach der Katastrophe, stellte die Internationale Rheinkommission fest, der Rhein sei wieder «ein lebendiger Fluss».

(sda/Christian Hilzinger)

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In aller Kürze:

Vor 30 Jahren passierte die grösste Chemie-Katatsrophe, welche die Nordwestschweiz bislang erlebt hatte. Zum Glück gab es damals kaum Verletzte.