Der Trend zur Digitalisierung schlage sich sehr stark in der Entwicklung der Geschäfte am Postschalter nieder. Während viele Kunden den Gang zur Poststelle nach wie vor schätzten, seien die Umsätze am Schalter insgesamt sehr stark zurückgegangen. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Post schliesst bis 2020 bis zu 600 traditionelle Poststellen

Die Schweizerische Post setzt ihren Umbau im Schalterbereich fort: Von den heute traditionellen 1'400 Poststellen sollen bis im Jahr 2020 nur noch zwischen 800 und 900 übrig sein. Rund 1'200 Mitarbeitende könnten «von einer Veränderung betroffen sein».

Dies schreibt die Post in einer Mitteilung vom Mittwoch, 26. Oktober 2016. Entlassungen seien nicht geplant. «Die Post nimmt ihre Sozialverantwortung wahr und sucht für die betroffenen Mitarbeitenden nach passenden Lösungen.» Dazu gehöre auch der Dialog mit den Sozialpartnern.

Der Abbau der traditionellen Postschalter solle wie bis anhin mit sogenannten Agenturen – einer Filiale mit Partner – aufgefangen werden. Dieses Modell habe sich bewährt. «Die Post wird ersatzlose Schliessungen von Poststellen vermeiden.» Sie stelle in jedem Fall alternative Lösungen zur Verfügung. Insgesamt will das Unternehmen die Zahl ihrer Zugangsmöglichkeiten von heute 3’700 auf mindestens 4’000 ausbauen.

Digitalisierung erfordert Umdenken

Der Trend zur Digitalisierung schlage sich sehr stark in der Entwicklung der Geschäfte am Postschalter nieder. Während viele Kunden den Gang zur Poststelle nach wie vor schätzten, seien die Umsätze am Schalter insgesamt sehr stark zurückgegangen. Bei den Briefen seit dem Jahr 2000 um 63 Prozent, bei den Paketen um 42 Prozent und beim Zahlungsverkehr um 37 Prozent. «Dieser Trend setzt sich fort.»

Gemäss der Post-Mitteilung werden wichtige Neuerungen wie die Diskussion der Netzentwicklung mit den Kantonen, die Schaffung von regionalen Kriterien oder der Dialog mit der Bevölkerung in den Gemeinden eingeführt. So könnten beispielsweise für eine Talschaft Zugangsmöglichkeiten geschaffen werden oder erhalten bleiben, für die es in der bisherigen Planung keine Lösung gegeben hätte.

Zudem werde die Post künftig für sämtliche Kantone traditionelle Poststellen definieren, die in den nächsten Jahren für eine Umwandlung in eine Postagentur nicht infrage kämen. Damit will das Unternehmen Planungssicherheit und Transparenz schaffen.

Kritik der Autonomen Pöstkergewerkschaft

Die Autonome Pöstlergewerkschaft hat den Entscheid der Post, innert drei Jahren zwischen 500 und 600 Poststellen zu schliessen, scharf kritisiert. Die Direktion der Schweizer Post interessiere sich nicht mehr für das Schweizer Poststellennetz.

Bereits heute hätten 800’000 Menschen in der Schweiz keinen Zugang mehr zu einer Poststelle, die innerhalb einer zumutbaren Frist erreichbar sei. Nach dem weiteren Abbau werde sich die Zahl der Betroffenen verdoppeln, schreibt die Gewerkschaft am Mittwoch in einer Mitteilung.

Besonders gross werde der Kahlschlag in Berg- und Landkantonen sein. 2001 habe es noch 3’500 Poststellen im ganzen Land gegeben. Die Postchefs seien am Service public ebenso wenig interessiert wie der Bundesrat und das Parlament in seiner derzeitigen Zusammensetzung.

Interkantonale Post

Um die Löcher im Poststellennetz zu stopfen, müssten deshalb die Kantone in die Bresche springen, zeigten sich die Autonomen Pöstler überzeugt.

Jene Kantone, die sich gegen den weiteren Abbau beim Poststellennetz stemmten, sollten sich zusammentun und eine interkantonale Post aufbauen, um den für die Bevölkerung notwendigen Service public aufrechtzuerhalten.

Keine Entlassungen

Die Autonome Pöstlergewerkschaft schreibt zu der Mitteilung der Post, dass die Post Entlassungen nicht ausschliesse. Die Post beschäftige insgesamt über 50’000 Mitarbeitende. Einem Unternehmen dieser Grösse müsse es möglich sein, «problemlos in einer anderen Unternehmenseinheit einen Arbeitsplatz für die betroffenen Kollegen zu finden».

Die Post könne sich zudem genügend Zeit lassen, um alle wieder unterzubringen, ohne deren «Überleben in Gefahr zu bringen», schreiben die Autonomen Pöstler und fordern, dass die Post niemanden entlässt.

(sda)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

In aller Kürze:

Die Schweizerische Post setzt ihren Umbau im Schalterbereich fort: Von den heute traditionellen 1'400 Poststellen sollen bis im Jahr 2020 nur noch zwischen 800 und 900 übrig sein.