«Einmal gespielt, konnte Menuhin ein frisch komponiertes Stück bereits auswendig», so Biesenbender. (Bild: keystone)

Basel

Zu Ehren Yehudi Menuhins: Basel gedenkt einem «Träumer»

Zwei Schüler des Violin-Meisters Yehudi Menuhin beginnen ein zweitägiges Forum zu Ehren seines 100. Geburtstags. Im Ackermannshof gedenken sie zahlreichen Anekdoten.

«Man kann auch ohne Messer und Gabel essen. Man kann aber nicht ohne Musik leben!» Dieses Zitat trug heute am ersten Programmpunkt einer Veranstaltung zu Ehren des Violin-Meisters Yehudi Menuhin einer seiner Schüler in einem sehr persönlichen Vortrag über dessen Lehrer vor: Der Musiker und Autor Volker Biesenbender nahm das Publikum mit in seine Erinnerungen an den Menschen Menuhin. Dieses Jahr feierte er seinen 100. Geburtstag, wäre er noch unter den Lebenden. Zu seinen Ehren veranstaltet der gemeinnützige Verein Philosophicum ein zweitägiges Forum im Basler Ackermannshof. Hier in Basel, wo Menuhin auch Spuren hinterlassen hat, als er während zwei Jahren in Riehen Unterricht bei Adolf Busch nahm.

An der Matinee stehen aber nicht nur Worte über den 1916 in San Francisco geborenen Sohn jüdischer Einwanderer auf dem Programm. Der Violinist Biesenbender und der letzte Pianist Menuhins, Paul Coker, boten zahlreiche kurze Duetsonaten dar – als roter Faden zwischen den verschiedensten Anekdoten zu ihrem weltberühmten Lehrer. Dennoch habe er auch an grossen Konzerten immer etwas improvisatorisch gewirkt und seinen Begleiter am Flügel immer wieder mit einer spontanen und äusserst kurzfristigen Auswahl von Stücken ins Schwitzen gebracht.

Authentisch und humanistisch

Einmal, so erzählte Coker, blieb ihm nichts anderes übrig, als die 5. Symphonie von Beethoven singend mit Menuhin zusammen auf dem Hinflug an ein Konzert einstudieren. Auch sei der Meister zeitlebens neugierig gewesen und habe seine Umwelt wie einen Schwamm aufgesogen. «Einmal gespielt, konnte Menuhin ein frisch komponiertes Stück bereits auswendig», staunte Biesenbender noch Jahre danach im Ackermannshof.

Biesenbender gedachte auch der ausgeprägten humanistischen Seite Menuhins und charakterisierte den Amerikaner, der 1970 auch die Schweizer Staatsbürgerschaft erlangte, als unerschrockenen Pazifisten: Im Vorfeld eines grossen Konzerts in Israel habe Yehudi Menuhin darauf bestanden, nur aufzutreten, wenn er eine Audienz beim damaligen Premierminister erhielte. Sie wurde ihm gewährt und er habe dem israelischen Staatsoberhaupt zum Konflikt mit den Palästinensern ins Gewissen geredet. Aus seinem vorgeschlagenen Friedensplan wurde allerdings nichts.

Das Forum «…welche Gesellschaft ist frei ohne ihre Träumer?» zu Ehren Menuhins dauert noch bis Sonntagabend.

Der Telebasel News Beitrag vom 10. September 2016: 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

In aller Kürze:

Zwei Schüler des Violin-Meisters Yehudi Menuhin beginnen ein zweitägiges Forum zu Ehren seines 100. Geburtstags. Im Ackermannshof gedenken sie zahlreichen Anekdoten.

Auch interessant