Die Demokratie leidet unter dem Putschversuch (Bild: Keystone)
International

Friedenspreis für Türkische Wissenschaftler

Dem türkischen Netzwerk ‹Wissenschaftler für den Frieden› ist am Abend vom 1. September 2016 der Aachener Friedenspreis verliehen worden. Die Akademiker äusserten sich anlässlich der Preisverleihung in Aachen besorgt über die Folgen des Putschversuchs Mitte Juli in der Türkei.

Der niedergeschlagene Umsturzversuch habe schlechte Auswirkungen für die Demokratiebewegung im Land, sagte die Dozentin der Istanbuler Bogaziçi-Universität Esra Mungan. Eine kritische Meinung führe zum Verdacht, man habe etwas mit den Putschisten zu tun. Angst breite sich aus. Ein geplanter Zusammenschluss des Netzwerks mit demokratischen Oppositionsgruppen sei vom Putschversuch überschattet.

Die Initiative ‹Wissenschaftler für den Frieden›, die Anfang Mai als Friedenspreisträger bekannt gegeben wurde, hatte sich im Januar mit einem öffentlichen Appell an die türkische Regierung gewandt, den Konflikt in den Kurdengebieten beizulegen. Zunächst hatten mehr als 1000 Wissenschaftler den Appell unterschrieben.

Danach habe gegen sie eine ‹Hexenjagd› begonnen, sagte Mungan. Es habe Kündigungen, Ausgangssperren und Ausreiseverbote gegen Wissenschaftler gegeben. Andere Kollegen seien wie sie selbst wegen mutmasslicher terroristischer Propaganda bis zur 40 Tage ins Gefängnis gesteckt worden.

Trotz der Repressionen hätten weitere 1000 Wissenschaftler unterschrieben. «Ich bin der Meinung, dass solche mutigen Taten äusserst nötig sind und sich vervielfachen müssen», sagte die Preisträgerin laut einer vorab veröffentlichten Dankesrede.

Arbeit ‹von unten› für den Frieden

Der Aachener Friedenspreis wurde 1988 von einem Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Bürgergruppen ins Leben gerufen. Im Gegensatz zum Internationalen Aachener Karlspreis sollen mit der Auszeichnung Engagement und Zivilcourage von Menschen gewürdigt werden, die ‹von unten› für den Frieden arbeiten. Der mit insgesamt 2000 Euro dotierte Preis wird traditionell am Antikriegstag, dem 1. September, verliehen.

Mit dem nationalen Preis wurde am Donnerstag die Bürgerinitiative ‹Offene Heide› im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Diese setzt sich seit 1993 für eine zivile Nutzung des Truppenübungsplatzes Colbitz-Letzlinger Heide ein, unter anderem mit monatlichen Friedenswegen und anderen Protestaktionen. (sda dpa)

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In aller Kürze:

Mehr als 1000 Wissenschaftler haben den Friedensappell unterschrieben.

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