(Screenshot: Telebasel)

Basel

Das ‹klassische› Musical

Die Akustik im Musiksaal des Basler Stadtcasinos zählt zu den besten der Welt. Weil er nun aber drei Jahre lang renoviert wird, sollen die Basler Orchester ausgerechnet im Musical Theater aufspielen. Geht das überhaupt?

Es gibt auf der Welt nur wenige Säle, in denen man von Mozart, Bach und Beethoven derart wohlig warm umschmeichelt wird wie im Musiksaal des Basler Stadtcasinos. Dies liegt an seiner perfekten Bauweise. Für eine optimale Akustik ist es nämlich gemäss ‹Schuhschachtel-Prinzip› ideal, wenn die Addition von Höhe und Breite eines Raumes dessen Länge ergeben. Der Musiksaal ist 15 Meter hoch und 21 Meter breit. Seine Länge beträgt – Sie ahnen es bereits – 36 Meter.

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(Screenshot: Telebasel)

Ein Konzertsaal ist kein Musical Theater

Da der Musiksaal und das gesamte Gebäude nun aber drei Jahre lang saniert und erweitert werden, haben die Basler Orchester im Musical Theater Asyl gefunden. Dies klingt auf den ersten Blick nachvollziehbar. Auch der Saal des Musical Theaters ist für seine Akustik bekannt – gelobt gar von den Produzenten des Musicals Lion King. Das Problem: Akustik ist nicht gleich Akustik.

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(Screenshot: Telebasel)

Ob die Akustik in einem Saal gut oder schlecht ist, muss nämlich immer in Bezug auf die Verwendung des Saals betrachtet werden. Ein Musical hat komplett verschiedene Anforderungen an einen Saal als ein klassisches Orchesterwerk. Was für das eine als optimal angesehen wird, kann für das andere unbrauchbar sein.

Schlucken oder reflektieren?

Zentral für Musicals und Theater-Produktionen ist die Ausrichtung nach vorne, hin zur Bühne. Da wird gesprochen, gespielt – da läuft die Musik. Damit man die Stimmen der Schauspieler hört, und zwar nur die Stimmen der Schauspieler, möchte man verhindern, dass deren Stimmen von Wänden, Decke und Boden in den Saal zurück reflektiert werden. Der Schall soll klar und deutlich von vorne wahrnehmbar sein.

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(Screenshot: Telebasel)

Bei einem Klassik-Konzert wird genau das umgekehrte verlangt. Niemand möchte einzelne Instrumente klar und deutlich aus der Masse heraushören. Eher möchte man von der Orchester-Musik von allen Seiten her umschmeichelt werden und ins Meer des Klanges eintauchen. Dafür braucht es eben Wände, Decke und Boden, die den Klang von vorne reflektieren und dem Zuhörer von oben, unten, rechts, links und von hinten ins Ohr leiten.

Warum um Himmels Willen finden nun also drei Jahre lang Klassik-Konzerte im Musical-Theater statt? Geht das überhaupt?

Telebasel hat mit sämtlichen Beteiligten gesprochen und zeigt, dass man mit ein wenig Hilfe auch ein Musical-Theater in einen passablen Konzert-Saal verwandeln kann.

Hier der Telebasel Report vom Mittwoch 31. August 2016:

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In aller Kürze:

Der Telebasel Report zeigt, wie aus dem Musical Theater plötzlich ein ganz passabler Konzertsaal wird.

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