‹Knofensa› wurde im Tram gesichtet. (Bild: Marc Lorenz)

Schweiz

‹Pokémon Go› erobert die Schweiz

Das Computerspiel ‹Pokémon Go› treibt auch in der Schweiz vor dem offiziellen Verkaufsstart Gamer in Scharen aus dem Haus. Sie sind mit dem Smartphone auf Strassen und Plätzen in Städten unterwegs. Für die Jagd auf virtuelle Monster marschieren sie kilometerweit. In echt.

So sind Jugendliche im Spielfieber etwa in Luzerner Parks, am Wasser bei der Kapellbrücke oder auf dem Bahnhofplatz anzutreffen. Selbst spätnachts und bei Regen, wie ein Augenschein am Dienstag zeigte.

Aber auch Geschäftsleute in Bern nahmen schon früh morgens auf dem Weg zur Arbeit noch rasch den Kampf gegen Monster auf. Auf sozialen Medien kursieren Bilder von Rekruten, die sich am Zürcher Hauptbahnhof in einer Pause mit Pokémon-Figuren anlegten.

Schweizweit dürften es bereits hunderte wenn nicht tausende Gamer sein, die dem ersten Handyspiel via App des japanischen Computerspielekonzerns Nintendo verfallen sind. Die Facebook-Gruppe ‹Pokémon Go Schweiz› zählte am Mittwoch bereits gegen 1000 Mitglieder. Zuvor waren es stündlich mehr geworden.

Die Spieler organisieren sich auf den sozialen Medien wie Facebook und Whatsapp und schwärmen alleine oder in kleinen Gruppen aus, um kleine Monstertierchen zu finden und Wettkämpfe auszutragen.

Muskelkater und Augenringe

Die Spieler fallen auf: Sie bleiben oft unvermittelt stehen oder ändern die Laufrichtung. Ihren Blick richten sie stets auf das Handy in der Hand. Meist haben sie auch einen Kopfhörer im Ohr. Sie gestikulieren hektisch und wischen auf dem farbigen Handydisplay hin- und her.

Einzelne Gamer verbrachten für das neue Spiel bereits Stunden im Freien und legten dabei mehrere Kilometer zurück. Manche Spieler klagten über wenig Schlaf und Muskelkater in den Waden. ‹Pokémon Go› dürfte eines der ersten Computerspiele sein, dem dieser Effekt gelungen ist.

Technisch ist das Spiel dem weltweiten Hype erstaunlich gut gewachsen. Spielverderber sind die sich leerenden Handyakkus und teils überlastete Server. Diese setzen die Benutzer vorübergehend ausser Gefecht. Da hilft meist nur ein Neustart der Anwendung.

Noch nicht offiziell erhältlich

Um das Spiel in der Schweiz installieren zu können, bedienten sich die Fans bisher eines Kniffs. Hierzulande erfolgte der offizielle Verkaufsstart noch nicht. Ein Datum ist nicht bekannt. In Deutschland ist es seit Mittwoch erhältlich.

Das Spiel wurde am 6. Juli zuerst für die USA sowie für Australien und Neuseeland in den App-Stores freigeschaltet. Die Entwickler waren vom Ansturm der Spieler in den ersten Ländern überrollt worden und hatten die internationale Markteinführung zunächst gebremst, um eine Überlastung der Server zu vermeiden.

Das App-Spiel basiert auf einer 20 Jahre alten Serie von Nintendo rund um die Fantasiewesen Pokémon (kurz für den englischen Begriff ‹Pocket Monsters›). Entwickelt wurde es von der amerikanischen Spielefirma Niantic Labs, einer ehemaligen Google-Tochter.

Virtuelle Welt und Realität verschmelzen

Die Nutzer müssen die Taschenmonster auf ihrem Smartphone sammeln, aufpäppeln, tauschen und gegen jene von anderen Spielern antreten lassen. Das Pokémon-Universum umfasst 150 Charaktere. Weltweit schliessen sich die Spieler einem von drei Teams («rot», «blau» oder «gelb») an, die sich gegenseitig Stützpunkte abjagen.

Im Spiel verschmelzen virtuelle Welt und Realität. Der Nutzer im Gelände findet sich mittels GPS auf einer virtuellen Karte auf seinem Handy wieder. Die Monster, die sich in der Nähe befinden, werden auf der Karte angezeigt. Mit eingeschalteter Handykamera erscheinen die Viecher, als würden sie im Gelände vor einem stehen.

Die Spielkarte basiert auf Material von Google. Das Spiel nutzt auch Landmarken, Wahrzeichen und auffällige Objekte in der Umgebung.

Der Pokémon-Hype löste an mehreren Orten Ärger aus. In Texas kam es zu einem Auffahr-Unfall, weil ein Automobilist seinen Wagen regelwidrig abstellte, um ein Pokémon zu fangen. In einem Vorort von Sydney fielen Spieler nachts in Scharen ein, sodass die Bewohner die Polizei riefen und die Spieler mit Wasser-Bomben bewarfen. Auch in Amsterdam setzten sich Mitarbeiter eines Krankenhauses gegen ‹Pokémon-Go›-Spieler zur Wehr, ebenso in Washington die Verantwortlichen des Arlington-Ehrenfriedhofs und des Holocaust-Museums.

(sda)

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In aller Kürze:

‹Pokémon Go› erobert die Schweiz.

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