Italien ist schockiert: Das Zugunglück nördlich der Stadt Bari forderte mindestens 20 Tote. (Bild: keystone)
International

Zugunglück schockiert Italien

«Es ist eine Katastrophe, als wäre ein Flugzeug abgestürzt.» Der Bürgermeister der Stadt Corato in Süditalien, Massimo Mazzilli, ist erschüttert. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht er Bilder, die Schreckliches erahnen lassen.

Zwei Regionalzüge stossen nördlich der Stadt Bari zusammen. Die ersten beiden Waggons der beiden Züge sind ineinander verkeilt, vollkommen zerstört. Schwer vorstellbar, wie man dort lebend herauskommt.

Es ist ein glühend heisser Sommertag in Apulien, als gegen 11:30 Uhr auf einer eingleisigen Strecke zwischen den Orten Corato und Andria eines der schwersten Zugunglücke des Landes passiert. Die Strecke liegt an einem Acker, in einem Olivenhain. Benutzt wird sie vor allem von Pendlern und Studenten.

«Die Lage ist dramatisch», sagt der Vizechef der Region Apulien, Antonio Nunziante. Wie viele Tote es gibt, ist lange nicht klar. Erst heisst es vier, dann elf, dann zwanzig. Mehr als 50 sind verletzt. Die Behörden sind sich sicher, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Es wird zu Blutspenden aufgerufen.

«Grauenhafte Szenen»

Wer die Bilder von den verkeilten und zersplitterten Waggons sieht, kann nur vom Schlimmsten ausgehen. Trümmer liegen auf den Feldern und zwischen Bäumen.

Die Regionalzüge hatten jeweils vier Waggons, auf Bildern ist zu erkennen, wie mindestens die ersten beiden von jedem Zug vollkommen zerstört sind. Nach Medienberichten wurde auch ein Kleinkind lebend aus den Trümmern gezogen und per Helikopter in ein Spital geflogen.

Die ersten Helfer, die am Unglücksort eintreffen, sind schockiert. «Grauenhafte Szenen, schreckliche, habe ich gesehen», erzählt ein Polizist der Nachrichtenagentur Ansa. «Ich habe Tote gesehen, andere, die nach Hilfe riefen, Menschen, die weinten. Die schlimmsten Szenen in meinem Leben.»

Die Helfer können den Ort anscheinend nur schwer erreichen. Ein Zelt ist aufgebaut, in dem die Opfer behandelt werden. Familienangehörige versammeln sich.

Unfallursache unbekannt

Was zu dem Unglück geführt hat, muss erst ermittelt werden. Menschliches Versagen wird nicht ausgeschlossen. Betrieben wird der Zug von dem privaten Unternehmen Ferrotramviaria.

In sozialen Netzwerken entlud sich die Wut einiger Nutzer sogleich an der Tatsache, dass es sich um eine eingleisige Strecke handelte. Niemand wolle in den Ausbau der Bahnstrecken investieren, kritisieren sie.

Premierminister Matteo Renzi forderte eine schnelle Aufklärung des Unglücks und kündigte einen Besuch am Unglücksort an. «Wir werden nicht ruhen, bis wir wissen, was passiert ist.»

Das Zugunglück gehört zu den schlimmsten in Italien. 2005 waren auf einer ebenfalls eingleisigen Linie zwischen Bologna und Verona bei einem Zusammenstoss 17 Menschen ums Leben gekommen. Damals gerieten die Regierung und die staatliche Eisenbahn in die Kritik, weil sie die Pläne zum Bau eines zweiten Gleises seit Jahren verschleppt hätten.

(sda dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

In aller Kürze:

Italien ist schockiert: Das Zugunglück nördlich der Stadt Bari forderte mindestens 20 Tote.

Was geschah bisher

Mehr aus dem Channel