Das Grundeinkommen ist bei Twitter-Trends Deutschland Thema Nummer 3. Auch die Medien der Welt berichten fleissig. (Bild: Screenshot spiegel.de)

International

Grosses Interesse im Ausland an Abstimmung über Grundeinkommen

Die Abstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen hat im Ausland hohe Wellen geworfen. Das Nein zur Volksinitiative war am Sonntag Thema auf den Startseiten grosser Newsportale wie der deutschen Tagesschau, der britischen BBC oder dem österreichischen Standard.

Überraschend kam die Ablehnung der Initiative auch für ausländische Medien nicht. Den «konservativ eingestellten Eidgenossen» seien Sozialmassnahmen mit umstrittener Finanzierung traditionell suspekt, schreibt das ‹Heute Journal› des Zweiten Deutschen Fernsehens ZDF auf seiner Website. Als Beispiele dafür nannte das Nachrichtenmagazin die gescheiterten Abstimmungen zu Mindestlohn und sechs Wochen Ferienanspruch.

Trotz dem sich abzeichnenden Nein verfolgten ausländische Medien die Abstimmung gespannt. Denn die Schweiz ist das erste Land, das über das Grundeinkommen abgestimmt hat. Verschiedene Medien attestieren den Initianten, eine länger andauernde Debatte angestossen zu haben. Das deutsche Nachrichtenportal spiegel.de rechnet damit, dass die Diskussion über ein Grundeinkommen weitergeht.

«Neues Problem statt Lösung»

Laut der Sonntagszeitung ‹Bild am Sonntag› hätte die Initiative auch in Deutschland keine Mehrheit gefunden. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitung ergab: 53 Prozent der Deutschen würden eine bedingungslose staatliche Grundversorgung ablehnen.

Ein bedingungsloses Einkommen klinge eher nach einem neuen Problem als nach einer Lösung, kommentierte sueddeutsche.de. Zwar seien die Herausforderungen real: Mehr Menschen arbeiteten in prekären Verhältnissen; Roboter würden in den nächsten Jahren einfache Tätigkeiten übernehmen. Das Grundeinkommen eröffne neue Perspektiven – ein Allheilmittel sei es aber nicht.

Laut welt.de hätte die Idee ohnehin vor allem eine Folge: Der Sozialstaat würde umorganisiert. Mit welchen Folgen für die Betroffenen und die Wirtschaft des betroffenen Landes, hänge von der Höhe des Grundeinkommens ab. «Schliesslich kann auch ein reiches Land wie die Schweiz nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben.»

Für die ‹Financial Times› bedeutet das Nein der Schweizer zur Initiative einen Rückschlag für eine wachsende internationale Lobby, die sich für solche Ansätze einsetzt, wie die Zeitung auf ihrem Onlineportal FT.com schreibt. Dennoch: Die Idee sei längst nicht mehr nur die Domäne radikaler Ökonomen, sondern im politischen Mainstream angekommen.

Labour unterstützt Idee

In Grossbritannien etwa erhält das Thema Unterstützung aus der Labour-Partei, wie das Nachrichtenportal theguardian.com schreibt. Schattenschatzkanzler John McDonnell sagte demnach, Labour werde sich die Idee in den nächsten Jahren genau ansehen. McDonnell nimmt am Montag an der Präsentation eines Berichts zum Thema teil. Der Bericht der Organisation Compass soll aufzeigen, weshalb Grossbritannien ein bedingungsloses Grundeinkommen brauche und wie dieses lanciert werden soll.

Ob eine gute Idee oder nicht – das Thema Grundeinkommen interessiert auch ausserhalb Europas. Ob in den USA, in Thailand, Indien oder in Singapur: Die Abstimmung war auf diversen Nachrichtenplattformen ein Top-Thema. Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Thema eifrig diskutiert. Weit weniger Beachtung hingegen fanden die anderen Abstimmungsthemen.

(sda)

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Die Welt interessiert sich über die Schweizer Abstimmung «Das bedingungslose Grundeinkommen».

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