Acht Millionen 5-Räppler auf dem Bundesplatz (Bild: keystone).

Schweiz

‹Report›: Das bedingungslose Grundeinkommen

Geht es nach den Experten hat die Initiative um ein bedingungsloses Grundeinkommen am 5. Juni 2016 so gut wie keine Chance. Trotzdem hat keine andere Initiative ein solches Medieninteresse geweckt. Der ‹Report› zeigt wieso.

Ein wenig paradox ist es schon, wenn Initianten zu jubeln beginnen, wenn ihnen die Trendforschung gerade mal 24 Prozent Ja-Stimmen prognostiziert. Es wäre ein überdeutliches ‹Nein›, rund drei Viertel der Bevölkerung dagegen – und trotzdem wird gefeiert: «Mehr als 20 Prozent wären Wahnsinn – super!», sagt etwa Daniel Häni, Mitinitiant des bedingungslosen Grundeinkommens.

Die Initianten sind sich durchaus bewusst, dass man mit einer Idee, die solch fundamentale Veränderungen zur Folge hätte, nicht auf Anhieb eine Mehrheit gewinnt. «Wichtig ist, die Diskussion in Gang zu bringen», heisst es aus dem Kampagnen-Team immer wieder. Und genau das hat die Mannschaft rund um die beiden Basler Initianten Daniel Häni und Enno Schmidt im letzten halben Jahr getan.

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Ein goldener Tesla als Teil der Kampagne.

Ein goldener Tesla fürs Grundeinkommen

Möglichst schrill, möglichst laut ist wohl die Devise der Kampagne. Ob nun acht Millionen Fünf-Räppler auf dem Bundesplatz, ein goldiger Tesla oder echte 10er-Nötli als Abstimmungsflyer – die Grundeinkommens-Kampagne hat eindrücklich gezeigt, wie medienwirksames Campaigning funktioniert. Keine Chance haben die Initianten ausgelassen, um möglichst kreativ auf ihr Anliegen Aufmerksam zu machen. Beispielsweise am WEF, wo ein tanzender Grundeinkommens-Roboter auf die drohende Digitalisierung und Roboterisierung aufmerksam gemacht hat. Ein ganzer Schwarm von Robotern tanzte am 1. Mai durch die Zürcher Strasse mit selbigem Anliegen.

Zehnernoten mit dem Aufkleber "I love Grundeinkommen, Ja-Oui-Si.ch, 5. Juni 2016" fotografiert an der Aktion "Fuer ein Bedingungsloses Grundeinkommen" anlaesslich der Volksabstimmung am 5. Juni 2016, aufgenommen am Montag, 14. Maerz 2016, in Zuerich. An der Aktion fuer ein bedingungsloses Grundeinkommen verteilten die Initianten 1000 Zehnernoten im Wert von 10'000 Schweizer Franken an Passanten. (KEYSTONE/Ennio Leanza)..
Zehnernoten mit dem Aufkleber ‹I love Grundeinkommen› (Bild: keystone).

Kampagne hat auch einige Schwächen

So gut die Kampagne bisher auch war, so deutlich wurden während der ‹Langen Nacht des Grundeinkommens› im Theater Basel auch die Schwächen der Kampagne offenbart. Obwohl die Übungsanlage mit mehreren Streitgesprächen zwischen Befürwortern und Gegnern der Initiative in einem Boxring viel Potential gehabt hätte, verliefen die entsprechenden Diskussionen dann meist enttäuschend. Die Kluft zwischen den beiden Lagern ist noch immer derart gross, dass ein fruchtbares Gespräch beinahe unmöglich war. Vor allem die überzeugten Befürworter, und das war zweifelsohne die Mehrheit im Publikum, liessen den Argumenten der Gegnerschaft überhaupt keinen Raum, nein, sie quittierten sämtliche Widersprüche gar mit höhnischem Gelächter.

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Die ‹Lange Nacht des Grundeinkommens› im Theater Basel.

Grundeinkommen wird ernstgenommen

So lässt sich rund einen Monat vor dem Abstimmungssonntag bilanzieren: Mit eindrücklichem Spiel auf der Klaviatur der Kampagnenführung ist es den Initianten rund um das bedingungslose Grundeinkommen gelungen, die einst als Spinnerei einiger linken Fantasten belächelte Idee in der breiten Bevölkerung zu verankern. Sogar von Grund auf skeptische Politiker und Wirtschaftsvertreter beschäftigen sich mittlerweile ernsthaft mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Dies alleine ist angesichts des dramatischen Veränderungspotentials der Initiative schon höchst respektabel. Was den Befürwortern jedoch noch nicht gelungen ist, ist, sich auf die Gegnerschaft einzuschwingen und ihren Ängsten und Sorgen auf Augenhöhe zu begegnen. Wichtigen Themen wie der Finanzierung des Vorhabens wird zu oft mit rhetorischen Saltos und Wortklaubereien begegnet. Mit bunten Knallpetarden alleine bleibt das Thema jedoch auf ewig ein spannendes Gedankenspiel.

Hier gibt es den Telebasel Report vom 11. Mai 2016 zu sehen:

2 Kommentare

  1. Klar wird die Vorlage abgelehnt, wir Schweizer sind konservativ. Schon damals wurde die AHV haushoch abgelehnt und heute würde niemand darauf verzichten wollen. Abwarten und Tee trinken. Sobald die Schweiz auch 10% Arbeitslose hat aufgrund der Digitalisierung und Automatisierung, werden alle aufwachen. Genau so wie es heute bei den Finnen ist. Schade ist, dass man nicht früher mit dem Testen von Lösungen anfängt. Ein ganz klares Ja von mir in der Urne.Report

  2. Liebes Telebasel-Team
    Wichtig fände ich noch, dass Sie heute Abend beim Thema ‘Bedingungsloses GRUNDeinkommen’ erwähnen würden, dass es dabei vor allem um die Deckung der monatliche GRUNDkosten ( Miete, Krankenkasse, Steuern, etc.) geht, die wir ALLE in diesem Land zu bezahlen/entrichten haben. (Egal ob gesund, pflegebedürftig, geistig- und/oder körperlich-behindert, krank, invalid, alleinerziehend, Halb-oder Vollwaise, etc.) Dies wird praktisch immer ausser Acht gelassen, dabei würde es sehr viele Menschen in unserem Land in ihren jeweiligen Lebenssituationen enorm entlasten.
    Ein herzliches Dankeschön Ihnen allen!Report

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In aller Kürze:

Das bedingungslose Grundeinkommen um 19:15 Uhr im Telebasel Report.

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