Zu Gast im Architektur-Talk bei Karin Müller sind Fabienne Hoelzel, Jacques Herzog und Beat Aeberhard. (Bild: Telebasel)
Basel

Jacques Herzog: «Ich finde das jetzige Projekt interessant»

Im Sonntags-Talk vom 24. April 2016 zum Thema ‹Architektur in Basel› diskutierten Fabienne Hoelzel, Beat Aeberhard und Jacques Herzog über das Kasernenareal, die in Basel geplanten Hochhäuser und die befürchtete Gentrifizierung durch die Aufwertung der Quartiere.

Im Sonntags-Talk zum Thema ‹Architektur in Basel› diskutieren mit Karin Müller die Architektin und Städtebauforscherin Fabienne Hoelzel, der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard und Jacques Herzog, Architekt und ETH-Professor.

Jacques Herzog: «Ich finde das jetzige Projekt interessant»

Im Gespräch ging es zum Ersten um den Kompromiss in Sachen Kasernenareal: Seit 50 Jahren denkt man in Basel darüber nach, was man mit dem so wichtigen Kasernenareal anfangen will. Jetzt hat die Stadt endlich eine Vorlage ausgearbeitet – unter Berücksichtigung aller denkbaren Betroffenen, beispielsweise Kulturschaffender und Anwohner. Viele sind jedoch unzufrieden: Bürgerliche finden die Vorlage zu teuer, Kulturschaffende mutlose und Linke finden sie in vielen Punkten unklar. Muss Architektur scheitern, wenn zu viele Leute mitreden?

Der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard stehe hinter diesem Projekt: «Man hat ein gutes Projekt ausgewählt.» Architekt und ETH-Professer Jacques Herzog zeigt sich zufrieden mit den jungen Gewinnern des Wettbewerbs, man habe ein gutes Projekt ausgewählt. Architektonisch sei es ein sehr interessantes Projekt. Er findet es «unsäglich, wenn man jetzt so spät mit all diesen Einwänden kommt.» Denn man wisse schon lange, dass das Kasernenprojekt so aufgestellt sei. Die Kaserne sei ein wichtiges Monument in Basel. Eine subtile Öffnung der Kaserne, die das Projekt mit dem Bogen anstrebt, sei richtig. Herzog sagt über den Projektentwurf: «Ein sehr grosszügiger Ort, ein neuer Ort, der einen Verbindungsort vom Hof zum Rhein anbietet, ohne dass die Geschlossenheit des Hofes zerstört wird und ohne dass das Gebäude an der Rheinfront so eine grosse ‹Schnuure› – auf Deutsch gesagt – anbietet.» Es zeige einen «sehr interessanten Ansatz.» Fabienne Hoelzel, Stadtbauforscherin und Architektin, ist der Meinung, dass wenn man gegen etwas sei, müsse man auch den richtigen Zeitpunkt wählen. Sie finde es ärgerlich, wenn die grosse Anti-Kampagne erst komme, wenn man schon fünf oder gar zehn Jahre an der Planung sei. Es suggeriere, dass die Personen, die bis anhin daran arbeiteten, sich überhaupt nichts dabei dachten.

Aeberhard ist der Meinung, dass das Präsidialdepartement gute Arbeit leiste und dass eine Jury, wie von den Linken gefordert, nicht der richtige Weg sei. «Was ich verstanden habe, ist, dass auch gewisse Akteure die Offenheit der Nutzung zum Teil noch in Frage stellen.» Er finde dies ein komisches Argument und sehe gerade dies als Stärke, dass das Projekt noch bespielt werden und wachsen könne.

Die multifunktionale Nutzung der zukünftigen Kaserne entspreche dem Areal und Herzog heisse es gut, dass noch nicht bis ins Detail feststeht, wie die Räumlichkeiten genutzt werden sollen. Er sei zuversichtlich, dass dies funktionieren könne. Auch einer allfälligen Nutzungsänderung werde in Zukunft nichts im Wege stehen.

Die Kosten seien ein weiterer Streitpunkt: Der Baukredit beträgt 43 Millionen Franken – zehn Millionen mehr als ursprünglich gedacht. Hoelzel ist der Meinung, dass eine Investition einer solch hohen Summe auch gerechtfertigt sein kann, gerade wenn es sich um ein kulturell oder sozial wichtiges Projekt handle. Sie könne jedoch nicht darüber urteilen, ob 33 oder sogar 43 Millionen Franken Baukredit angemessen seien. Für das fertige Projekt sei der Preis gemäss Aeberhard angemessen: Es beinhalte ein grosses Programm, den unterschiedlichen Anforderungen müsse man gerecht werden, Brandschutzvorrichtungen müssen eingehalten werden, was alles nicht ganz einfach mit den Denkmalschutz-Anforderungen des bestehenden Gebäudes in Verbindung zu bringen wäre. Für Herzog stellt sich viel eher die Frage, ob der Staat, der das Projekt finanziert, der richtige Investitions-Partner sei. Man hätte auch einen privaten Investor suchen könne. Doch Herzog sagt: «Ich bin hunderprozentig dafür, dass man den Weg nun auch geht,» der mit dem Staat eingeschlagen worden sei.

Wie sieht Basel in 30 Jahren aus?

Für die nächsten zehn Jahre sind gleich mehrere Hochhäuser in Basel geplant. Wie viele dieser Bauwerke verträgt die Stadt und wie werden sie zur Basler Altstadt passen?

Für eine gute Stadtentwicklung brauche es übergeordnete Konzepte, sagt Fabienne Hoelzel. Zudem funktionieren Hochhäuser am besten in Gruppen, deshalb könne man auch nicht sagen, wie viele Hochhäuser zu viel oder zu wenig seien: «Ein Hochhaus alleine ist immer ein wenig schwierig,» sagt Hoelzel. Einzelne Hochhäuser über die Stadt verteilt, wären nicht so gelungen.

Gemäss Jacques Herzog nehmen Hochhäuser «ein Teil der Stadt-Identität wahr.» Des Weiteren brauche Basel Hochhäuser, «weil Basel das am engsten begrenzte Territorum in der Schweiz ist.» Eine Stadt verändere sich ständig und Hochhäuser seien eine Art dieser Veränderung, so Herzog.

«Guter Städtebau soll Räume schaffe oder öffnen», erklärt Hoelzel. Städtebau, der zu stark einschränke, wäre deshalb falsch. Es brauche den öffentlichen Raum, erörtert Beat Aeberhard: «Je dichter die Stadt wird, umso wichtiger werden die öffentlichen Räume.»

Baut Basel nur für Reiche?

Weiteres Thema des Architektur-Talks ist die von vielen befürchtete Gentrifizierung durch die Aufwertung der Quartiere. Werden es sich künftig nur noch ‹Besserverdiener› leisten können in Basel zu wohnen? Schwinden daneben die Chancen für Menschen mit geringem Einkommen, bezahlbaren Wohnraum zu finden immer mehr? Denn der Bestand an günstigen Wohnung ist jetzt schon sehr gering.

Hoelzel beschreibt Gentrifizierung als Resultat erfolgreicher Stadtentwicklung. Man müsse jedoch Abstand von einer ‹Über-Planung› nehmen. Man müsse nicht jeden Platz neu gestalten oder verbessern. Es müsse auch Platz bestehen bleiben für Junge, Kreative oder solche, die es sich ansonsten nicht leisten könnten. «Gute Stadtplanung würde versuchen, dies ein wenig zu steuern – auch wenn es nicht einfach ist.»

Jacques Herzog spricht sich für Veränderungen in einer Stadt aus: «Ich befürworte aber auch immer die soziale Ausgewogenheit.»

Der ganze Sonntags-Talk vom 24. April 2016 gibt es hier zu sehen:

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Fabienne Hoelzel, Beat Aeberhard und Jacques Herzog diskutierten im Sonntags-Talk über das Kasernenarel, Hochhäuser und Gentrifizierung.

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