Polizeibeamte üben in Frankreich bereits für den Notfall (Bild:keystone)
International

Fussball-EM: ein Alptraum für die Sicherheitsbehörden Frankreichs

Es wird ein Fussballfest im Ausnahmezustand - und bei den Behörden wächst die Unruhe. «Wegen der Fussball-EM drehen wir gerade wirklich durch», sagt ein französischer Anti-Terror-Vertreter.

Mit drakonischen Sicherheitsmassnahmen will Frankreich Anschläge bei der näher rückenden Fussball-Europameisterschaft verhindern, der nach den islamistischen Attacken von Paris verhängte Ausnahmezustand soll extra verlängert werden.

Doch für die Sicherheitsbehörden ist das am 10. Juni 2016 startende Turnier ein Alptraum. Die Regierung verspricht maximale Sicherheit, die Angst vor neuen Anschlägen aber ist allgegenwärtig.

«Es ist unmöglich, ein Gegenmittel gegen Terroristen zu finden, die zu jedem Zeitpunkt mit Kalaschnikows zuschlagen könnten», sagt ein Polizeivertreter düster. «Aber auch wenn die terroristische Bedrohung hoch und ein Anschlag möglich ist, kann man ein solches Ereignis nicht in Frage stellen.»

EM als Signal

Denn die französische Regierung sieht die EM nach dem Blutbad vom 13. November 2015 mit 130 Toten und nach den Anschlägen von Brüssel auch als wichtiges Signal: Das Turnier sei «eine Art Antwort auf Hass, Spaltung, Angst und Grauen», sagte Frankreichs Staatschef François Hollande unlängst.

Die Europameisterschaft soll auch symbolisieren, dass sich Frankreich und ganz Europa von islamistischen Attentätern nicht einschüchtern und unterkriegen lassen.

Die Sicherheitspläne für die EM wurden nach dem 13. November noch einmal verschärft. Dabei wurden auch Lehren aus dem tödlichsten Anschlag in der Geschichte Frankreichs gezogen: Denn die Selbstmordattentäter hatten nicht nur die Konzerthalle ‹Bataclan› und eine Reihe von Bars und Restaurants attackiert, sondern auch das Stade de France in der Pariser Vorstadt Saint-Denis – dort, wo am 10. Juni das EM-Eröffnungsspiel und am 10. Juli das Finale angesetzt sind.

Zusätzlich zu den Eingangskontrollen an den Stadien selbst soll schon weit vor den Fussballarenen eine Sicherheitsabsperrung mit ersten Kontrolle errichtet werden. Mit einer Reihe von Übungen haben sich die Sicherheitskräfte auf verschiedene Anschlagszenarien vorbereitet, simuliert wurde unter anderem eine Attacke mit Chemiewaffen in einem Stadion.

Fanzonen bereiten Sorge

Besonders grosse Sorgen machen den Verantwortlichen aber die landesweit geplanten Fanzonen, in denen die Spiele auf Grossleinwänden übertragen werden und in denen über die Dauer des Turniers sieben Millionen Besucher erwartet werden. Public-Viewing-Veranstaltungen würden ebenso gesichert wie die Stadien, hat Premierminister Manuel Valls versichert.

Jeder Besucher soll bei Eingangskontrollen abgetastet werden, Metalldetektoren sollen ebenso zum Einsatz kommen wie Überwachungskameras. Anfang April wurde in Bordeaux bei einer Grossübung das Szenario eines Angriffs auf eine Fanzone durchgespielt.

Doch trotzdem sind die Ansammlungen von Fans mögliche «weiche Ziele» für Attentäter, wie es im Sicherheitsjargon heisst. «Grössere Gruppen von Terroristen haben alle Zeit der Welt sich vorzubereiten», warnt der frühere Geheimdienst-Analyst Yves Trotignon. «Die Daten und die Orte sind bekannt, die Terroristen können in aller Ruhe auskundschaften.»

Die Angst vor dem Einzeltäter

Zuschlagen könnten nicht nur grössere Islamistenzellen wie in Paris und Brüssel, sagt Trotignon: «Der zweite Alptraum ist eine unabhängige Aktion von einem alleine handelnden Kerl.» Einzeltäter, die keine Kontakte zu anderen Islamisten hätten, seien kaum im Vorfeld auszumachen und zu stoppen.

Um den Sicherheitsbehörden alle Mittel an die Hand zu geben, kündigte Premier Valls am Mittwoch eine weitere Verlängerung des nach den Anschlägen von Paris ausgerufenen Ausnahmezustands an – damit soll die Zeit der Fussball-EM wie auch der Tour de France im Juli abgedeckt werden. Die Regierung will sich bei einem möglichen Anschlag nicht vorwerfen lassen, nicht alle Sicherheitsmassnahmen ergriffen zu haben.

«Man muss die Wahrheit sagen: Ein Null-Risiko gibt es nicht», mahnt Pascal Boniface vom Pariser Forschungsinstitut Iris. «Sie können 1000 mögliche Ziele bewachen. Dann wird das 1001. ins Visier genommen.»

(sda)

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In aller Kürze:

Frankreich zeigt sich im Hinblick auf die Fussball-EM 2016 wegen möglichem Terrorismus besorgt.

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