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Kampagnen für ‹Brexit›-Referendum gestartet

Zehn Wochen vor dem Referendum in Grossbritannien haben EU-Anhänger und ‹Brexit›-Befürworter ihre offiziellen Kampagnen gestartet. Laut Umfragen steht der Ausgang auf Messers Schneide.

«Wir sind von unserem Sieg überzeugt», sagte ein Sprecher der nationalistischen Ukip-Partei am Freitag, 15. April. Ex-Finanzminister Alistair Darling warf den EU-Gegnern ein «Spiel mit dem Feuer» vor. Der konservative Premier David Cameron hatte den Briten das Referendum am 23. Juni versprochen – in der Hoffnung, so die EU-Skeptiker in den Reihen seiner Tories zum Schweigen zu bringen. Ein Sieg des ‹Brexit›-Lagers (Kurzform für: ‹Britain Exit›) könnte ihn das Amt kosten sowie die Insel und die EU in grosse Unsicherheit stürzen, lauten die Befürchtungen in Brüssel und beim Internationalen Währungsfonds (IWF).

Cameron selbst meint, das Königreich werde in der EU stärker und reicher sein als ausserhalb: «Britain Stronger In Europe» heisst sein Motto. Er hatte der EU eine ‹Reform› abgerungen, die den britischen Sonderstatus vergrössert. Doch musste er auch Rückschläge hinnehmen, wie den Triumph bei einem nicht bindenden Anti-EU-Referendum vergangene Woche in den Niederlanden.

Populistische Sprüche vom Londoner Bürgermeister

Londons populärer Bürgermeister Boris Johnson hat sich auf die Seite des ‹Brexit›-Lagers geschlagen, das sich auf den Slogan «Vote Leave» («Wähle Verlassen») einigte. Er wollte am Freitag und Samstag bei zahlreichen Veranstaltungen für den EU-Ausstieg werben. Das Referendum sei, «als hätte ein Gefängnisaufseher aus Versehen die Tür offen gelassen, und die Menschen erblicken draussen das Land im Sonnenlicht», sagte er.

Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte sich erst am Donnerstag offen für den EU-Verbleib ausgesprochen, weil dies «im besten Interesse des Volkes dieses Landes» wäre. 1975 hatte er beim Referendum über den Beitritt Grossbritanniens zur damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit Nein gestimmt. Er habe seine Meinung zu Europa geändert, weil die EU Jobs geschaffen habe und Schutz für «Arbeiter, Konsumenten und die Umwelt» biete, sagt Corbyn nun.

Labour als Zünglein an der Waage

Die Labour-Unterstützung könnte für das Ja-Lager entscheidend werden, da am Abstimmungstag mit einer höheren Mobilisierung der EU-Gegner zu rechnen sei, vermuten Umfrageinstitute. Derzeit liegen dem Projekt ‹What UK Thinks› zufolge beide Lager bei rund 50 Prozent.

Während EU-Spitzenvertreter aus Brüssel vor Kampagnen-Auftritten auf der Insel zurückschrecken, will US-Präsident Barack Obama nächste Woche in London offensiv für den EU-Verbleib werben. Obama werde ganz offen und klar sagen, warum er glaube, dass das für Grossbritannien gut wäre, kündigte sein Berater Ben Rhodes an.

(sda)

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EU-Anhänger und ‹Brexit›-Befürworter haben ihre offizielle Kampagne in Grossbritannien gestartet.

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