Star-Architektin Zaha Hadid (Bild: Keystone)

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Architektur: Das schwungvolle Vermächtnis von Zaha Hadid

Die kürzlich verstorbene Star-Architektin Zaha Hadid hat der Welt Gebäude hinterlassen, die einzigartiger nicht sein könnten. Ihre Entwürfe machten sie weltweit bekannt - ihre Karriere aber begann mit einem Gesamtbauwerk in Weil am Rhein.

In einer Welt voller Ecken und Kanten war sie die ‹Königin der Kurven›. Denn die Gebäude von Zaha Hadid haben meistens vor allem eines gemeinsam, und das sind fliessende Formen. Die in Bagdad geborene Star-Architektin verstarb am 31. März 2016 in Miami an einem Herzinfarkt. Die 65-Jährige litt nach Angaben ihres Londoner Büros seit geraumer Zeit an einer Bronchitis und wurde in einem Spital des US-Bundesstaats Florida behandelt, wo ihr Tod dann plötzlich eintrat. Ihr Vermächtnis bleibt: Es sind unzählige Architekturschätze, die sie weltbekannt machten – und noch heute von ihrer unbändigen Kreativität erzählen.

Zaha Hadids Entwürfe galten oft als gewagt und schwer umsetzbar. So beispielsweise auch das Projekt ‹Stadtcasino Basel›, das im Jahr 2008 aufgrund harscher Kritik scheiterte. Der Entwurf wurde prompt an der Urne abgelehnt. Der Grund: Die Grösse des Baus, wodurch der Abstand zur Kirche und zum Barfüsserplatz zu gering ausgefallen wäre. Zu schade, wenn man nun bedenkt, dass es deshalb kein Gebäude von Zaha Hadid in Basel gibt – und nie geben wird.

Computeranimation des von der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid eingereichten Siegerprojekts fuer den Neu- und Umbau des Stadt-Casinos Basel (Ansicht vom Barfuesser-Platz aus). Das am 5. Januar 2005 vorgestellte Hundert-Millionen-Projekt mitten in der Innerstadt soll 2009 eroeffnet werden, muss zuvor aber noch einige Huerden nehmen. Als Musik- und Kulturzentrum soll das neue Stadt-Casino dereinst eine aehnliche Bedeutung erlangen wie das KKL in Luzern oder die Tonhalle in Zuerich. Vom heutigen Stadt-Casino soll nur der fuer seine hervorragende Akustik weltbekannte Musiksaal von 1876 erhalten bleiben, der fuer rund 20 Mio. Fr. saniert werden soll. Als Neubau schlaegt Hadid einen gewissermassen schwebenden Baukoerper aus Glas und Stahl vor, der sich auf der Frontseite und entlang des Barfuesserplatzes an den Musiksaal anschmiegt. (KEYSTONE/Casino-Gesellschaft Basel) === ===

Computeranimation des von der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid eingereichten Siegerprojekts für den Neu- und Umbau des Stadt-Casinos Basel (Foto: Keystone)

Architektur-Wunder begann in Weil am Rhein

Was die irakisch-britische Designerin und Architektin hinterlässt, sind vor allem imposante und fast schon feminin wirkende Architektur-Wunder. Begonnen hat ihre Karriere allerdings in keiner Metropole, wie man meinen könnte, sondern ganz in der Nähe der Kulturstadt Basel: Das Vitra Feuerwehrhaus in Weil am Rhein «war das erste Gesamtbauwerk von Zaha Hadid überhaupt», heisst es auf der Homepage des Vitra Design Museums. Das frühere Feuerwehrhaus wird heute allerdings für Ausstellungen und Sonderveranstaltungen genutzt – gerade weil es eben selbst ein Hingucker ist.

by Zaha Hadid, Vitra Campus, 1993
Hadid Fire Station by Zaha Hadid, Vitra Campus, 1993 (Vitra/ Foto: Thomas Dix)

Auch ein anderes Projekt scheiterte: Hadid hatte mit ihrem Entwurf des Olympiastadions für die Sommerspiele 2020 in Tokio gewonnen. Dieser wurde jedoch rasch aus Kostengründen wieder verworfen.

FILE - This file artist rendering released by Japan Sport Council shows a new stadium, designed by award-winning British-Iraqi architect Zaha Hadid, Tokyo plans to build for the 2020 Summer Olympic Games. Japanese Olympic officials say they will adhere to plans laid out in their successful bid to host the 2020 Games despite criticism that costs are too high. Speaking after a two-day orientation seminar with the International Olympic Committee in Tokyo Friday, Nov. 15, 2013, Japanese Olympic Committee president Tsunekazu Takeda said plans to build the 80,000-seat stadium are still in place. (AP Photo/Japan Sport Council, File)
Entwurf Olympiastation in Tokio / Olympische Spiele 2020 (Foto: Keystone)

Im Jahr 2013 sorgte Zaha Hadids Entwurf des WM-Stadions zur Fußball WM 2022 in Katar als ‹architektonische Vagina› für Aufruhr. Aber nicht nur wegen der eindeutig zweideutigen Optik: Amnesty International lancierte am 17. November 2013 eine Petition gegen die ‹Ausbeutung der Arbeitsmigranten›. Auch diese Vision blieb unrealisiert.

Schwungvolle Bauten sind Kunstwerke für die Ewigkeit

Das Olympische Schwimmstadion in London und das Nationalmuseum für Kunst MAXXI des 21. Jahrhunderts in Rom sind wohl die bekanntesten Bauten der Star-Architektin Zaha Hadid. Darüber hinaus gelten aber auch das Opernhaus im chinesischen Guangzhou und die neue Serpentine Sackler Gallery in London als angesehene architektonische Kunstwerke der Visionärin. Ihr jüngstes Projekt: Hadid entwarf vor wenigen Monaten gemeinsam mit dem Bergsteiger Reinhold Messner in Südtirol ein neues Bergmuseum. Das Messner Mountain Museum Corones  in der Ferienregion Kronplatz wird mit 2.275 Metern Meereshöhe das höchste Museum Südtirols und damit «ein neuer Höhepunkt in der Geschichte des Skiberges.», wie es auf der Homepage heisst.

Die schwungvollen Bauten erinnern wie Denkmäler an die legendäre Architektur-Ikone, die regelrecht mit Preisen überhäuft wurde. Die Krönung: Als erste Frau wurde sie 2004 mit dem Pritzker-Preis, der als Nobelpreis für Architektur gilt, ausgezeichnet.

Architektur am Fuss – in Basel

Zaha Hadid hatte nicht nur ein gutes Auge für achitektonische Werke, sondern auch für Kunst am Fuss. 2014 präsentierte das Spielzeug Welten Museum Basel in der Ausstellung ‹Die Geschichte unter den Füssen – 3000 Jahre Schuhe› futuristisch wirkende Schuhe der Architektur-Königin.

"Nova" (2013) der irakischen Architektin Zaha Hadid in der Ausstellung "Die Geschichte unter den Fuessen - 3000 Jahre Schuhe" im Spielzeug Welten Museum Basel in Basel am Freitag, 17. Oktober 2014. In Zusammenarbeit mit dem Northampton Museums and Art Gallery in England, das ueber die weltgroesste Sammlung historischer Schuhe verfuegt, sind ueber 220 Schuhpaare der Schuhmode der letzten 3000 Jahre zu sehen. (KEYSTONE/Georgios Kefalas).."Nova" (2013) by iraqi architect Zaha Hadid pictured in the exhibition "History under your feet- 3000 years of shoes" at the Toy Worlds Museum in Basel, Switzerland, 17 Ocotber 2014. The exhibition in collaboration with the Northampton Museums and Art Gallery in England, home to the world’s largest collection of historical shoes, shows over 220 pairs of shoes of the last 3000 years. It runs from 18 October 2014 to 06 April 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Schuhe ‹Nova› der irakischen Architektin Zaha Hadid in der Ausstellung ‹Die Geschichte unter den Füssen – 3000 Jahre Schuhe› im Spielzeug Welten Museum Basel (Foto: Keystone)

Kaum zu glauben, dass die Powerfrau zunächst Mathematik an der American University in Beirut studierte, bevor sie ihre eigentliche Berufung fand und 1972 ein Architekturstudium an der Architectural Association School in London absolvierte. Fraglich, ob sie sich damals hätte vorstellen können, dass sie dort später einmal selbst als Architekturprofessorin lehren würde. Der Ruhm kam jedenfalls schnell, nachdem sie 1979 ihr eigenes Büro gegründet hatte.

Zaha Hadid war eine Star-Architektin, Designerin und Architekturprofessorin – aber sie war noch viel mehr: Eine Frau, die feminine Kurven in die Welt der Architektur brachte, in der sonst nur – und das wohl allzu oft – geradlinige Statements gewünscht sind.

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In aller Kürze:

Die Star-Architektin Zaha Hadid hinterlässt Architekturschätze auf der ganzen Welt.

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