Basel

Basler Sans-Papiers gehen aufs Ganze

In Basel-Stadt leben ungefähr 5‘000 Sans-Papiers. Sie leben versteckt, putzen schwarz die Haushalte des Basler Bürgertums oder gehen anderen Hilfsarbeiten nach, die sonst keiner machen will. Sans-Papiers können keine Versicherungen abschliessen, sind oft unterbezahlt – und darum leicht erpressbar. Jetzt haben acht von ihnen beschlossen, das jahrelange Versteckspiel hinter sich zu lassen. Sie haben heute ein sogenanntes Härtefallgesuch eingereicht – und sind damit das grösstmögliche Risiko eingegangen.

Rund 130 Personen haben die Sans-Papiers heute vor dem Migrationsamt Basel-Stadt unterstützt. Acht Härtefallgesuche wurden feierlich an den Leiter des Migrationsamts, Michel Girard, übergeben. Das Härtefallgesuch ist für viele Sans-Papiers die letzte gesetzliche Möglichkeit, eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz zu bekommen. «Es ist ein grosser Schritt für uns, diese Gesuche einzureichen. Jahrelang haben wir uns versteckt und mussten immer Angst haben. Jetzt nehmen wir unsere Masken ab und zeigen uns“, sagt die 48jährige Désirée aus Kamerun in ihrer Rede. Symbolisch dafür trugen die anwesenden Sans-Papiers und ihre Unterstützer Masken, die sie nach der Übergabe der Härtefälle abnahmen.

Désirée lebt seit über 10 Jahren in Basel. Mit Putz- und Pflegejobs hält sie sich über Wasser. Recht auf eine Versicherung oder Sozialhilfe hat sie nicht. Auch sie hat sich heute für den Schritt an die Öffentlichkeit entschieden – und geht damit ein grosses Risiko ein. Wird ihr Härtefallgesuch angenommen, kriegt Désirée eine Aufenthaltsbewilligung. Sollte der Bund ihr Gesuch aber ablehnen, könnte sie schon in wenigen Tagen ausgewiesen werden. Sie würde ein Leben verlieren, das sie sich hier in Basel über Jahre aufgebaut hat. Kurz nach der Übergabe zeigt sich Désirée trotzdem erleichtert: «Ich bin sehr zufrieden. Ich denke, dieses Mal habe ich Glück», sagt sie, sichtlich emotional.

Jetzt fängt für die acht Sans-Papiers das nervenaufreibende Warten an. An einen Negativentscheid vom Bund möchte die Kamerunerin aber nicht denken. Sie hat genug davon, im Schatten der Gesellschaft zu leben. «Mit einer Aufenthaltsbewilligung kann ich ein Konto bei der Bank haben. Und ich kann selber eine Wohnung mieten.»

Beitrag vom 7. April 2016 in den Telebasel News:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

In aller Kürze:

Acht der ungefähr 5'000 Sans-Papiers sind heute das grösstmögliche Risiko eingegangen und haben ein Härtefallgesuch eingereicht.

Was geschah bisher

Auch interessant