Basel

Alles oder nichts

Sans-Papiers leben im Versteckten, unauffällig, im Schatten der Gesellschaft. Nicht aber Beto, Meire und Desirée – Sie haben die Schnauze voll vom angsterfüllten Leben und treten an die Öffentlichkeit.

Beto sitzt im Schein der April-Sonne am Rheinufer und klimpert auf seiner Gitarre etwas nervös ein peruanisches Volkslied. Vor 15 Jahren ist der Elektromechaniker in die Schweiz gekommen, nachdem seine Firma an der anhaltenden Wirtschaftsmisere in Peru zu Grunde ging. «Ich wollte Deutsch lernen und suchte nach Maschinen-Unternehmen, für die ich arbeiten könnte», sagt der kleine aber vife Beto. Bis heute habe er in Basel aber keine Maschinen-Firma gesehen: «Ich weiss nicht, wo die sind. Ich habe überall gesucht.»

Bild 1

Beto wird Sans-Papier

Nach einem Jahr läuft sein Visum ab, er muss das Land wieder verlassen. Das tut er aber nicht. Zu Hause hat er drei Töchter, die seine finanzielle Unterstützung brauchen. Auch wenn er in Basel schlecht bezahlt wird, lebt er immer noch einiges besser als in Peru. Trotzdem hat er von nun an eine ständige Begleiterin: Die Angst. Über ein Jahrzehnt arbeitet er in Basler Privathaushalten, flickt Waschmaschinen, repariert kaputte Gartenzäune oder räumt ihre Keller auf. Als Sans-Papier. Also ohne Aufenthaltsbewilligung. Beto weiss: Gerät er in eine Personenkontrolle, könnte er zurück nach Peru geschickt werden: «Ich habe ständig Angst, wenn ich einen Polizisten sehe».

Bild 2

Schluss mit Verstecken – Beto reicht Gesuch ein

Nach Ausländergesetz haben Sans-Papiers die Möglichkeit, beim Migrationsamt ein sogenanntes Härtefallgesuch einzureichen. Erfüllen sie gewisse Kriterien, erhalten sie trotz illegalem Aufenthalt eventuell doch eine Aufenthaltsbewilligung. Das Problem: Wird das Gesuch nicht als Härtefall eingestuft, sind den Behörden nun sämtliche Angaben zum Sans-Papier bekannt und der Gesuchsteller muss die Schweiz umgehend verlassen.

Bild 3

Dieses Risiko geht Beto nun ein. Er reicht zusammen mit sieben weiteren Sans-Papiers der Aktion ‹Nicht ohne unsere FreundInnen› ein Härtefallgesuch ein. «Ich weiss, dass das ein Risiko ist. Aber ich glaube, ich bin nun integriert und habe die Chance, endlich legal hier arbeiten zu dürfen», sagt er sichtlich angespannt.

Am Donnerstag, 7. April 2016 übergeben die acht Sans-Papiers dem Migrationsamt Basel ihre Gesuche. Danach wird gewartet. Und gezittert.

Die ganze Geschichte von Beto sowie jene von der Brasilianerin Meire und Desirée aus Kamerun gibt es im Report vom 6. April 2016.

Zudem nimmt Fabrice Mangold von der Anlaufstelle für Sans-Papiers in Basel und Mitstreiter bei der Kampagne ‹Nicht ohne unsere FreundInnen› am selben Abend im ‹Telebasel Talk› Stellung zum ungewöhnlichen Gang an die Öffentlichkeit.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

In aller Kürze:

Der Telebasel Report am 6. April 2016 zum Thema ‹Sans-Papiers›.

Mehr aus dem Channel