Basel

Berufslehre für Flüchtlinge umstritten

Eine spezielle, einjährige Berufslehre soll Flüchtlinge besser integrieren. Das Projekt des Bundes wird zur Zeit diskutiert und stösst nicht nur auf Zustimmung. Während der Kanton die Idee begrüsst, setzt der Gewerbeverband weiterhin auf die bereits bestehende zweijährige Attest-Lehre.

Der Bund plant eine einjährige Lehre für Flüchtlinge. Das Projekt soll im Jahr 2018 umgesetzt werden. Maximal 54 Millionen Franken soll das Pilotprojekt kosten, das auf vier Jahre angelegt ist. Ziel ist es, tausend Flüchtlingen eine solche einjährige Lehre zu ermöglichen. Zu diesem Zweck führt der Bund zur Zeit Gespräche mit den Wirtschaftsverbänden. Im April will er mit den Kantonen diskutieren.

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass es nicht einfach sein wird, entsprechende Lehrstellen für Flüchtlinge zu finden. Das liegt zum Teil daran, dass es in der Arbeitswelt generell schwieriger geworden ist, niederschwellige Einstiegsangebote zu kreieren. Die unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Projekt zeigen sich im Kanton Basel-Stadt exemplarisch: Das Basler Erziehungsdepartement begrüsst eine einjährige Lehre speziell für Flüchtlinge.

Auf Arbeitgeberseite herrscht Skepsis

Der Leiter für Mittelschulen und Berufsbildung, Ulrich Maier, möchte diese Lehre aber als Vorlehre verstanden haben, welche den Flüchtlingen den Weg zu einer zweijährigen Attest-Lehre ebnen oder sie zu einer regulären drei- bis vierjährigen Lehre befähigen soll.

Beim Gewerbeverband äussert sich der Direktor Gabriel Barell skeptisch zum Bundesprojekt. Für ihn genügen die heutigen Attest-Lehren bereits für einen vereinfachten Einstieg in die Berufswelt.

Diese verkürzte Attest-Lehre lancierten Basel-Stadt und der Gewerbeverband 2005 und schufen damals 400 neue Stellen. Das Basler Pilotprojekt haben seither auch andere Kantone aufgenommen. Es gilt inzwischen als Erfolgsmodell. Zurückhaltung zeigt auch Pharma-Industrie: Für Flüchtlinge sind bislang keine speziellen Stellen geschaffen worden, zumal die meisten Pharma-Stellen ein hohes Anforderungsprofil verlangen.

Auch die Grossverteiler Coop und Migros warten ab. Sie wollen sich erst zum Projekt einer einjährigen Lehre für Flüchtlinge äussern, wenn die Idee des Bundes konkreter geworden ist. Vom ursprünglichen Begriff der Flüchtlingslehre ist der Bund abgekommen. Im Kanton Basel-Landschaft hat die Regierung noch nicht darüber entschieden, ob sie das Projekt gutheissen will.

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In aller Kürze:

Während der Kanton die Flüchtlingslehre-Idee begrüsst, setzt der Gewerbeverband weiterhin auf die bereits bestehende zweijährige Attest-Lehre.