Baselland

Waldenburgerbahn vor ungewisser Zukunft

Die Baselbieter Regierung will die Schienen der Waldenburger Schmalspurbahn im Zug anstehender Investitionen auf Norm-Mass verbreitern – damit wäre das Schicksal des historischen Dampfzugs besiegelt. Doch Eisenbahnbegeisterte wehren sich.

Die Bahninfrastruktur sowie das Rollmaterial der Waldenburgerbahn sind in die Jahre gekommen, Investitionen in die Schmalspurbahn seien dringend nötig. Deshalb schlug dier Baselbieter Regierungsrat am 21. Oktober 2015 vor, die «einmalige Chance zu nutzen» und beim gleichzeitigen Erneuerungsbedraf von Trasse und Rollmaterial gleich auf die in der Schweiz übliche Spurbreite von einem Meter umzusatteln.

Die dafür veranschlagten knapp 270 Millionen Franken seien ein vergleichsweise günstiger Preis. Deswegen soll es 2022 soweit sein, nämlich dann, wenn die SBB auch den Liestaler Bahnhof erneuern. Während der Sanierung der Geleise sind für rund ein Jahr Ersatzbusse auf der Waldenburger-Strecke vorgesehen.

Historischer Exot

Schon seit 135 Jahren verkehrt die von Einheimischen liebevoll ‹Waldeburgerli› genannte Waldenburgerbahn auf den gut 13 Kilometern zwischen Liestal und Waldenburg. Die in der Eisenbahn-Pionierzeit gewählte Spurweite von 75 Zentimetern wurde seither beibehalten. 2010 hatte sich der Baselbieter Landrat noch hinter den Waldenburger Sonderfall gestellt.

Aufgrund einer erneuten Prüfung der Meterspur im Vorfeld des anstehenden Kaufs von 14 neuen Zügen ist dieser Rückhalt nun Geschichte geworden. Ausschlaggebend bei den Erwägungen waren finanzielle Argumente, wie die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro erklärt:

«Einmeterspur bringt nichts»

Dass das ‹Waldeburgerli› aber ein Exot bleiben soll, dafür macht sich Robert Appel, Medienverantwortlicher beim Verein Dampfzug Waldenburgerbahn stark. Die Gleichschaltung mit der Einmeterspur sei nicht notwenig. Ein Anschluss der ans SBB- oder ans Tramnetz käme für die Waldenburgerbahn ohnehin nicht in Frage.

Ausserdem bedeute die Verbreiterung das Ende des historischen Dampfzugs. Seit Jahren steckt der Verein Dampfzug Waldenburgerbahn viel Herzblut in den Unterhalt und Betrieb der 113-jährigen Dampflokomotive. Der Dampfzug verkehrt für Vergnügungsfahrten sporadisch auf der Strecke – defizitär allerdings.

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Schon vor der jüngsten Ankündigung der Regierung war die Zukunft des Dampfzugs ungewiss: Er ist in seiner aktuellen Verfassung nicht kompatibel mit neuen Sicherheitsauflagen für den Personentransport. Das voraussichtlich letzte Wort liegt nun beim Landrat, der über die Spurweite entscheiden muss.

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In aller Kürze:

Der Landrat muss zwischen Wirtschaftlichkeit und Nostalgie abwägen.

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